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(18.09.2007) Das Bundesland Rheinland-Pfalz, das kommunale Klärschlämme bislang überwiegend landwirtschaftlich verwertet, will den Anteil der Verbrennung erhöhen. Das Land vertritt bei der Klärschlammentsorgung eine „duale Strategie“: Qualitativ hochwertige Klärschlämme sollten zur direkten Nutzung der enthaltenen Nährstoffe auch weiterhin in die Landwirtschaft ausgebracht werden können, höher belastete Klärschlämme dagegen sollten zunehmend energetisch verwertet werden. Das sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) in der vergangenen Woche in Mainz. Wie aus dem von dem Ministerium jetzt vorgelegten Bericht der TU Kaiserslautern „Perspektiven einer zukunftsfähigen Klärschlammentsorgung in Rheinland-Pfalz“ hervorgeht, wären selbst bei einem vollständigen Verbot der Klärschlammdüngung - das ja nicht zu erwarten ist – theoretisch ausreichende Verbrennungskapazitäten in dem Bundesland und der unmittelbaren Nachbarschaft vorhanden. Conrad sprach sich für eine Verschärfung der Grenzwerte für schädliche Inhaltsstoffe von Klärschlämmen aus, wie sie von der Bundesregierung im Rahmen der Novellierung der Klärschlammverordnung (siehe nebenstehender Artikel) ja auch vorgesehen ist. Schärfere Grenzwerte könnten auch die Akzeptanz der Klärschlammverwertung durch die Landwirtschaft fördern, so die Ministerin. Die Klärschlammverordnung müsse von der Bundesregierung nun dringend revidiert und an das heute geltende Bodenschutzrecht angepasst werden. Die rund 100.000 t Klärschlamm, die pro Jahr in kommunalen Kläranlagen des Bundeslandes anfallen, werden nach wie vor zu etwa 75 Prozent landwirtschaftlich verwertet, sagte Conrad. Die übrigen Klärschlämme würden bereits größtenteils verbrannt. Ziel sei es, den Anteil der Verbrennung insbesondere höher belasteten Klärschlämme zu erhöhen. Der Bericht der TU Kaiserslautern kommt zu dem Ergebnis, dass theoretisch sämtliche in Rheinland-Pfalz anfallenden kommunalen Klärschlämme auch kurzfristig in den verschiedenen Monoverbrennungsanlagen, Zementwerken oder Kohlekraftwerken im Umkreis von bis zu 180 km verbrannt beziehungsweise mitverbrannt werden könnten. Für die derzeit 63.825 t landwirtschaftlich und die 10.507 t landbaulich verwerteten Klärschlämme stünden thermische Behandlungskapazitäten von 74.332 t zur Verfügung. Neben dem Potenzial ist dem Bericht zufolge auch das Interesse an der Mitverbrennung in den Zementwerken und insbesondere in den Kohlekraftwerken gegenwärtig groß. Da die Kohlekraftwerke im Saarland und in Nordrhein-Westfalen sowie einige Zementwerke derzeit genehmigungsrechtliche und bauliche Anstrengungen unternähmen, mehr Klärschlämme aufzunehmen, werde sich die Situation sogar noch verbessern. Industrielle Monoverbrennungsanlagen verfügten ebenfalls über freie Kapazitäten. Die Mitverbrennung in Müllheizkraftwerken dagegen ist dem Bericht zufolge, sowohl aus Kapazitäts- als auch aus Kostengrüden, uninteressant. Die Nutzung der vorhandenen Verbrennungskapazitäten setze aber in den meisten Fällen auch eine Ausweitung der Vorbehandlung, insbesondere der Trocknung, von Klärschlämmen voraus. Grundbedingung für eine Mitverbrennung wäre mindestens eine Entwässerung, teilweise eine weitergehende Entwässerung auf etwa 40 Prozent TS. Der Bericht empfiehlt in dem Zusammenhang, den Standort für notwendige Trocknungsanlagen nach Möglichkeit so zu wählen, dass anderweitig anfallende, bislang ungenutzte Abwärme im Trocknungsprozess genutzt werden könne. Potenzial dafür sei insbesondere in bereits gebauten und zukünftig geplanten Biogasanlagen vorhanden. Wie es in der Studie weiter heißt, müssten die Klärschlämme der Kläranlagen im mittleren und im südöstlichen Rheinland-Pfalz teilweise über längere Strecken – über 150 km - zu einer Mitverbrennungsanlage transportiert werden. Daher sollten die Betreiber in einem Klärschlammentsorgungskonzept überprüfen, ob nicht auf längere Sicht das Betreiben einer eigenen Trocknungs- oder gar Verbrennungsanlage wirtschaftlicher wäre. Ein konkretes Projekt wird erwähnt: Im Westerwaldkreis werde voraussichtlich 2008 eine Monovergasungsanlage gebaut. Des Weiteren gelte es, die Phosphatrückgewinnung von Klärschlämmen, die zur Verbrennung vorgesehen sind, technisch voranzutreiben. Im Hinblick auf die Klärschlämme, die weiterhin landwirtschaftlich verwertet werden sollten, sagte Conrad, dass die Belastung der kommunalen Klärschlämme mit Schadstoffen bereits seit Jahren stark zurückgegangen sei. Dies sei insbesondere durch Verbesserungen der betriebsinternen Abläufe bei der Industrie beziehungsweise dem Gewerbe erreicht worden. Zudem verfüge Rheinland-Pfalz durch seine Vielzahl von kleinen Kläranlagen, die keine oder nur wenige gewerbliche Abwässer reinigen, über eine große Fraktion qualitativ hochwertiger Klärschlämme. Den Kläranlagenbetreibern wird in dem Bericht empfohlen, eigene beziehungsweise im Verbund organisierte Entsorgungsstrategien und -konzepte unter Berücksichtigung der jeweiligen Randbedingungen zu entwickeln. Dabei sollten die energetischen Aspekte – die Nutzung des Energiegehalts des Klärschlamms, der Energiebedarf bei der Abwasserreinigung und Klärschlammbehandlung sowie die Abwärmenutzung aus dem Abwasser - als wichtige Entscheidungskriterien einbezogen werden. So könne beispielsweise das Ziel einer energieautarken Kläranlage in einer Kombination aus Methangasnutzung und energetischer Klärschlammverwertung erreicht werden. Bei allen Entsorgungskonzepten seien neben wichtigen Umwelt- und Rohstoffaspekten aber auch die Gebühren für die Verbraucherinnen und Verbraucher mit zu berücksichtigen. Die Landesregierung werde die Kommunen dabei unterstützen, mit eigenen Pilotanlagen neue Technologien zur Klärschlammverwertung zu testen, kündigte das Umweltministerium an. Das Land unterstütze die Kommunen darüber hinaus mit einer Arbeitsgruppe, die unter der Leitung des Umweltministeriums mit Vertretern der Umweltverwaltung, der kommunalen Spitzenverbände und wissenschaftlicher Einrichtungen besetzt ist. Diese Arbeitsgruppe stehe den Kommunen bei der Auswahl der für den jeweiligen örtlichen Bedarf geeigneten Lösung beratend zur Verfügung. |
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