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Klärschlammmenge für die Monoverbrennung steigt bis 2032 auf 1,2 Mio. Jahrestonnen

Klärschlammmenge für die Monoverbrennung steigt bis 2032 auf 1,2 Mio. Jahrestonnen
Bildquelle: Fotolia
18.05.2017 − 

Die Menge des Klärschlamms zur Monoverbrennung wird in den kommenden 15 Jahren auf über 1,2 Millionen Jahrestonnen ansteigen. Die aktuellen Kapazitäten können jedoch nur etwa die Hälfte dieser Menge abdecken. Dies ist das Ergebnis einer Aktualisierung des Mengenmodells des Beratungsunternehmens ecoprog zur Klärschlammentsorgung in Deutschland. In der Folge verstärken sich auch die Bemühungen um Strategien zur Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm.

Im Jahr 2015 sei die stoffliche Verwertung von Klärschlamm in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau um rund zehn Prozent auf 650.000 Jahrestonnen gesunken, teilte ecoprog mit. Das sei der stärkste Rückgang, seitdem diese Statistik geführt wird. Im selben Zeitraum sei die thermische Verwertung von Klärschlamm auf rund 1,15 Millionen Jahrestonnen Klärschlamm gestiegen. Der Grund hierfür sind Änderungen im Dünge- und Abfallrecht.

Langfristig wird die Mitte Mai novellierte Klärschlammverordnung (AbfKlärV) die thermische Verwertung von Klärschlamm stimulieren, so ecoprog. Sie sieht ein Ausbringungsverbot für Klärschlamm aus Kläranlagen der Größenklasse 4b und 5 mit einer Kapazität von über 50.000 bzw. über 100.000 Einwohnerwerten vor. Auf diese beiden Größenklassen entfallen derzeit zwar nur rund 530 der rund 9.500 Kläranlagen in Deutschland, erklärte das Beratungsunternehmen. Diese behandeln allerdings rund 65 Prozent der Schmutzfracht und produzieren somit geschätzt fast 1,2 Millionen Tonnen Klärschlamm pro Jahr.

Darüber hinaus weist ecoprog auf die in der neuen AbfKlärV verankerte künftige Phosphorrückgewinnungspflicht hin, die ebenfalls für die Anlagen der Klasse 4b und 5 mit einer Übergangsfrist von 15 bzw. 12 Jahren gilt. Diese sei bei der Mitverbrennung in Kohlekraftwerken, Zementwerken und Müllverbrennungsanlagen nicht wirtschaftlich, da der Anteil des Phosphors in der Asche zu gering ist. Eine Alternative zur Monoverbrennung stehe den Anlagen der Klasse 4b und 5 nur zu Verfügung, wenn der Phosphorgehalt im Klärschlamm gering ist, schlussfolgert das Beratungsunternehmen aus den Vorgaben der AbfKlärV. Dies sei jedoch nur bei einigen wenigen Anlagen der Fall.

Andere versuchten schon heute, den Phosphor aus Abwasser oder nassem Klärschlamm zu gewinnen, hieß es weiter. Auf diese Weise könnten die Phosphor-Grenzwerte im Klärschlamm unterschritten werden. „Wir gehen derzeit aber nicht davon aus, dass sich ein relevanter Anteil der Kläranlagen für diesen Weg entscheidet“, sagte Mark Döing, Geschäftsführer der ecoprog GmbH. Im Gegenteil rechnet ecoprog damit, dass auch kleinere Kläranlagen der Größenklassen 3 und 4a in die Monoverbrennung gehen.

Die verbindliche Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm hatten Union und SPD 2013 in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Sie fußt auf der Überzeugung, dass mit der Phosphorrückgewinnung Schadstoffeinträge durch die herkömmliche bodenbezogene Verwertung verhindert werden können. Damit ist der geplante Ausstieg aus der Klärschlammdüngung eine rein politische Entscheidung.

Auf EU-Ebene hat die Europäische Kommission Phosphor als „kritischen Rohstoff" eingestuft, der für menschliches und tierisches Leben sowie das Pflanzenwachstum unabdingbar ist. Der Abbau von Rohphosphaten ist nur in politisch instabilen Regionen und mit erheblichen Umweltbeeinträchtigungen möglich. Somit verringert eine Rückgewinnungspflicht Deutschlands Importabhängigkeit von mineralischem Phosphor. Gleichwohl gilt auf europäischer Ebene weiterhin die EU-Klärschlammrichtlinie, die den Einsatz von Klärschlamm als phosphorhaltiges Düngemittel in der Landwirtschaft ausdrücklich bejaht.

Im Zuge des Verordnungsgebungsverfahrens zur Neuordnung der Klärschlammverwertung in Deutschland hat das Bundesumweltministerium (BMUB) eingeräumt, dass die Umrüstung von Abwasserbehandlungsanlagen zur Vorbereitung auf das Phosphorrecycling ein technisch aufwändiger Prozess sei, der mehrere Jahre dauern könne. Die Verordnung schreibt keine bestimmte Technologie zur Phosphorrückgewinnung vor. Damit kann Phosphor aus Klärschlammaschen, direkt aus dem anfallenden Schlamm oder dem Abwasser zurückgewonnen werden.

Bislang gibt es keine Rückgewinnungsverfahren im großtechnischen Maßstab, die wirtschaftlich einsetzbar wären. Diverse positive Einzelschritte stimmen Phosphor-Forscher jedoch optimistisch. Oft sind Forschungsprojekte an ein konkretes Rückgewinnungsprojekt gebunden. So wurde etwa für die Versuchsanlage der MSE Mobile Schlammentwässerungs GmbH mit Sitz in Karlsbad-Ittersbach zur mobilen Phosphorrückgewinnung die Praxistauglichkeit nachgewiesen.

Auch die Klärschlammverbrennung und Phosphorrückgewinnung am Standort des Restmüllheizkraftwerkes (RMHKW) Böblingen hat gute Chancen auf eine wirtschaftliche Umsetzung. Das hat eine Machbarkeitsstudie des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk (RBB) ergeben. Zuletzt hatte Hamburg Wasser angekündigt, eine großtechnische Anlage zu errichten, die aus rund 20.000 Jahrestonnen Klärschlammasche Phosphorsäure gewinnen soll. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für 2019 geplant.

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