OECD: Klimawandel erfordert Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung

Immer häufigere, längere und heftigere Dürren bedrohen die Wassersicherheit

Die Wasserwirtschaft muss sich auf die zunehmenden Risiken des Klimawandels einstellen und sich daran anpassen. Im Zuge des Klimawandels werden Dürren immer häufiger, länger und heftiger, heißt es in dem Bericht „Global Drought Outlook“, den die OECD im Juni veröffentlicht hat. Sie bedrohen die Wassersicherheit und setzen Menschen, Ökosysteme und Volkswirtschaften zunehmend unter Druck. Von verringerten Ernteerträgen und einer angespannten Energieversorgung und Flussschifffahrt bis hin zu geschädigten Landschaften und zerstörten Lebensgrundlagen - die Auswirkungen von Dürren nehmen dem Bericht zufolge zu, und damit auch ihre Kosten.

Von entscheidender Bedeutung sei es, die Wassernachfrage so zu steuern, dass eine nachhaltige Erneuerung der Wasserressourcen möglich ist. Gleichzeitig sei die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Wasserversorgungs- und -speichersystemen und der Schutz von Ökosystemen, die als lebenswichtige Wasserquellen dienen, der Schlüssel zur Gewährleistung einer dauerhaften Wassersicherheit in einem sich verändernden Klima.

Gesunde Ökosysteme und nachhaltige Landbewirtschaftung entscheidend

Gesunde Ökosysteme und eine nachhaltige Landbewirtschaftung spielen eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit, der Regulierung des Wasserkreislaufs und der Verbesserung der Widerstandsfähigkeit in der Landschaft. So unterstütze beispielsweise die Erhaltung von Wäldern und Feuchtgebieten die Grundwasserneubildung und helfe, die Auswirkungen von Dürren abzufedern. In Kalifornien hätten die Bemühungen zur Entsiegelung von Flächen dazu beigetragen, dass jährlich bis zu 780 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgewonnen werden konnten.

Umstellung auf effiziente Sprinkler- oder Tropfsysteme

Die Umstellung von traditioneller Oberflächenbewässerung auf effizientere Sprinkler- oder Tropfsysteme könnte den globalen Wasserverbrauch um 54 Prozent bzw. 76 Prozent senken. Trockentolerante Pflanzen, wie die widerstandsfähigen Maissorten, die in Teilen Afrikas südlich der Sahara verwendet werden, senken den Wasserbedarf weiter und schützen gleichzeitig die Erträge und verringern die Anfälligkeit selbst in trockenen Jahren, heißt es in dem Bericht. Der Einsatz dieser Lösungen erfordere aber eine starke politische Unterstützung sowie eine gezielte Forschung und kontinuierliche Innovation.

Sektoren wie Energie, Verkehr und Industrie einbeziehen

Die Widerstandsfähigkeit gegen Dürre muss über die Landwirtschaft hinausgehen und Sektoren wie Energie, Verkehr und Industrie einbeziehen. Pläne und Strategien für das Dürremanagement sind wichtige Instrumente für die Ausrichtung der Politik, da sie dazu beitragen, Maßnahmen zu priorisieren, Reaktionen zu koordinieren und die Zuständigkeiten aller relevanten öffentlichen und privaten Akteure zu klären, um einen integrierten Ansatz für das Dürrerisiko zu gewährleisten.

Von Dürren betroffene Fläche seit 1900 verdoppelt

Die von Dürren betroffene Fläche habe sich seit 1900 verdoppelt - 40 Prozent der Erde sind laut OECD heute häufiger und intensiver von Dürren betroffen. Viele der extremsten Dürren, die je verzeichnet wurden - darunter die Dürre in Europa im Jahr 2022 und die anhaltende Dürre in Nordamerika – sind in den letzten Jahrzehnten aufgetreten, heißt es in dem Bericht. Der Klimawandel sei eine der Hauptursachen für dieses wachsende Risiko, da steigende Temperaturen die Niederschlagsmuster veränderten und die Verdunstung beschleunigten, wodurch die Verfügbarkeit von Süßwasser sinke. Bei einer Erwärmung um 4°C könnten Dürren im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten bis zu siebenmal häufiger und intensiver werden.

Verlust an Bodenfeuchtigkeit bei 37 Prozent der weltweiten Landflächen

Dürren sind laut OECD für 34 Prozent der katastrophenbedingten Todesfälle verantwortlich und verschärfen Armut, Ungleichheit und Vertreibung. Durch die Verschlechterung der Bodenqualität beschleunigten Dürren auch die Wüstenbildung und trügen zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Seit 1980 hätten 37 Prozent der weltweiten Landflächen einen erheblichen Verlust an Bodenfeuchtigkeit erlitten, während der Wasserstand in vielen Flüssen und Grundwasserleitern weltweit sinke.

Die Landwirtschaft sei der am stärksten gefährdete Sektor, da die Ernteerträge in besonders trockenen Jahren um bis zu 22 Prozent zurückgingen. Die Kosten einer Dürre seien heute mindestens doppelt so hoch wie im Jahr 2000, und bis 2035 ist der OECD zufolge mit einem Anstieg der Kosten um 35 Prozent bis 110 Prozent zu rechnen.

Investitionen in die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren zahlen sich aus

Da die Dürrerisiken zunehmen, seien proaktive und koordinierte Maßnahmen für den Aufbau von Widerstandsfähigkeit und die Anpassung an den Klimawandel unerlässlich. Jeder Dollar, der in die Widerstandsfähigkeit gegen Dürren investiert wird, kann der OECD zufolge bis zu zehn Dollar an wirtschaftlichen Erträgen bringen. Das bedeute, dass die Regierungen mit den richtigen Maßnahmen und Investitionen die unmittelbaren Auswirkungen von Dürren verringern und gleichzeitig langfristige Erträge erzielen könnten.

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