Stadt Luzern testet „Hygroskin“ als Zwischenlösung für die Entsiegelung

Die Schweizer Stadt Luzern testet derzeit einen speziellen Bodenaufbau für die temporäre Begrünung. Die so genannte „Hygroskin“ soll dazu beitragen, Regenwasser zu speichern, das Grün feucht zu halten und die Umgebung zu kühlen, teilte die Stadt mit. Am Kunst- und Kulturzentrum „Neubad“ sei auf neun Parkplätzen eine 80 Quadratmeter große Testfläche eingerichtet worden. Drei Jahre lang soll überprüft werden, ob die Fläche weniger Hitze, mehr Artenvielfalt und eine höhere Aufenthaltsqualität ermöglichen kann.

Das Pilotprojekt „Hygroskin Neubad“ werde wissenschaftlich begleitet. Die Erfahrungen sollen mit jenen aus der Stadt Basel abgeglichen werden, wo ein ähnlicher Test bereits erfolgt sei. Fallen die Ergebnisse positiv aus, könnte die „Hygroskin“ in Luzern öfters eingesetzt werden, so die Stadt.

Die „Hygroskin“ ist den Angaben zufolge eine Entwicklung des Basel Instituts für angewandte Stadtforschung (B/IAS). Konzipiert ist sie für den Fall, dass eine normale Entsiegelung mit Entfernen von Asphalt- oder Betonbelägen sowie die anschließende Renaturierung zwar gewünscht, aber aus verschiedenen Gründen noch nicht möglich ist. Dann könnte als Zwischenlösung mit der „Hygroskin“ auf kostengünstige und schnelle Weise eine größere Fläche begrünt werden.

„Hygroskin“ soll auf Herz und Nieren geprüft werden

Bislang habe die Stadt Luzern in solchen Fällen oft mobiles Grün aufgestellt, etwa in Form von mit Humus und Pflanzen befüllten Bigbags. Das sei nur bedingt attraktiv, räumt die Stadt ein. Auch der Nutzen sei eher klein. Deshalb will sie beim Neubad die „Hygroskin“ auf Herz und Nieren prüfen.

Konkret werde der Pflegeaufwand, die Entwicklung der Biodiversität, die Eignung der Materialien, die Resilienz der Bepflanzung gegenüber Hitzestress sowie die Abkühlung der Umgebung und die Regenwasserspeicherung untersucht, hieß es weiter. Abkühlung und Regenwasserspeicherung seien zentral. Deshalb sollte der 26 bis 65 Zentimeter hohe Aufbau aus Sand, Kies und Humus permanent feucht sein, betont die Stadt.

Erreicht werden könnte dies mit einem speziellen, auf den Asphalt gelegten Vlies samt Speichermatte. Dank dieser zwei Elemente soll das Regenwasser gespeichert werden können, anstatt in die Kanalisation abzufließen. Die bei mobilem Grün immer sehr zeitintensive Bewässerung sei hier im Idealfall nicht nötig. Zum Thema Abkühlung erklärt Timur Babacanli, Projektleiter von Stadtgrün Luzern: „In Basel konnten auf und neben einer solchen Hygroskin während Hitzeperioden Temperaturunterschiede von bis zu 21 Grad nachgewiesen werden.“

Angepflanzt werden heimische Gewächse

Angepflanzt werden den Angaben zufolge heimische Pflanzen wie Wildstauden und einige kleine Gehölze, welche mit dem Hitzestress umgehen können. Auch Totholz und kleine Steinhaufen würden angelegt. Davon sollen Tiere wie etwa Wildbienen und weitere Insekten profitieren. Schon nach kurzer Zeit, bis August oder September 2025, soll die 80 Quadratmeter große Fläche in sattem Grün erscheinen, erhofft sich die Stadt. Die Materialkosten belaufen sich auf rund 15.000 Schweizer Franken (knapp 16.000 Euro).

Bereits seit April dieses Jahres testet die Stadt Luzern, inwieweit stark genutzter Straßenraum sicherer ausgestaltet werden kann. In einer Straße in der Innenstadt wurden unter anderem ähnlich wie am Neubad acht Parkfelder temporär begrünt, allerdings mit einem deutlich schlankeren Aufbau. Diese noch kostengünstigere „Light-Variante“ soll aufzeigen, ob die „Hygroskin“ auch unter solch erschwerten Bedingungen funktioniert, erklärte die Stadt.

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