Aktion „Unsere-Flüsse“: Zahlreiche Bäche weisen Defizite in der Lebensraumqualität auf

Insgesamt etwa drei Viertel der erfassten Bäche weisen Defizite in der Lebensraumqualität auf - das zeigt die Auswertung der Datensätze, die im Rahmen der ARD-Mitmachaktion „Unsere-Flüsse“ erhoben wurden. Das teilte das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) mit, das gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Untersuchungen der Lebensraumqualität kleiner Fließgewässer in Deutschland begleitete. Dabei seien die wichtigsten Faktoren Begradigung, fehlender Uferbewuchs und fehlende Gewässerrandstreifen.

Die ARD-Mitmachaktion fand von Mai bis Ende Oktober 2024 statt. 2.700 Menschen hätten bisher mitgemacht und Datensätze sowie über 10.000 Bilder eingereicht. Der Ausgangspunt se, dass die großen Flüsse regelmäßig untersucht werden, es aber weniger Wissen über die kleinen Bäche gebe, die aber zwei Drittel des Fließgewässernetzes in Deutschland ausmachten.

„Etwa 40 Prozent der untersuchten Bachabschnitte sind begradigt, und ein Drittel haben stellenweise oder durchgehend befestigte Ufer“, erklärte Julia von Gönner vom UFZ. Fast die Hälfte der erfassten Bachabschnitte habe keinen oder einen nur lückigen Gewässerrandstreifen. Die Hälfte der untersuchten Bäche habe ein monotones Strömungsbild; ein Drittel der erfassten Bäche weise einen verschlammten oder sehr einförmigen Gewässergrund mit geringer Vielfalt an Substraten auf. „Das sind keine guten Nachrichten für die aquatische Flora und Fauna, da verschiedene Insektenlarven und Fische eine Vielfalt an Lebensräumen in und an den Fließgewässern brauchen“, so Gönner.

Ein Drittel der untersuchten Bachabschnitte weist Wanderhindernisse auf

Dazu komme, dass ein Drittel der untersuchten Bachabschnitte Wanderhindernisse aufweise, erklärte Martin Friedrichs-Manthey vom iDiv. „Einige wenige Abschnitte waren sogar komplett verrohrt. Bäche sind als Oberläufe von Flüssen wichtige Laichgebiete für Insekten und Fische, und Querbauwerke schränken die Mobilität ein.“

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Flachland mehr Bäche eine schlechte Lebensraumqualität aufweisen als im Mittelgebirge. Im Mittelgebirge gebe es häufiger eine extensivere Landwirtschaft, weniger dichte Bebauung sowie mehr Naturschutz und Naherholungsgebiete. Zwei Drittel der bisherigen Meldungen liegen den Angaben zufolge im Flachland bis 200 Meter und ein Drittel im Mittelgebirge. Deshalb seien laut den Forschenden die großen Ökoregionen Deutschlands, wie das Norddeutsche Tiefland und das Mittelgebirge, gut vertreten. Insgesamt seien die Hälfte aller Unsere-Flüsse-Zusendungen von Bächen gewesen, zu denen noch keine amtlichen Daten vorliegen.

"Unsere-Flüsse"-Ergebnisse mit Daten aus anderen Studien vergleichbar

„Die Unsere-Flüsse-Ergebnisse sind mit Daten aus anderen Studien vergleichbar“, erklärt Aletta Bonn vom UFZ. „Das Umweltbundesamt berichtet, dass 80 Prozent der Flüsse deutlich bis stark verändert sind. Auch unser Citizen-Science-Projekt FLOW mit bundesweit 137 Probestellen zeigt, dass 65 Prozent aller Bäche eine nur unzureichende Gewässerstruktur haben.“ Das nationale Kleingewässermonitoring des UFZ zeige, dass eine verarmte Gewässerstruktur – nach Pestizidbelastung und Sauerstoffmangel – der drittstärkste Belastungsfaktor für Insekten in Tieflandbächen ist. „Wichtig ist, dass wir jetzt durch die ARD-Aktion für viele weitere Bäche Daten zur Lebensraumqualität haben, welche Ergebnisse voriger Studien bekräftigen.“              

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