Backhaus: Niederschläge jetzt halten, sonst fehlen sie später

Bauern und Wasserverbände: Regenwasser-Anstauung so nicht zu realisieren

Mecklenburg-Vorpommern muss sich weiterhin auf Dürreperioden einstellen. Die Niederschläge der letzten Wochen seien dringend notwendig gewesen, doch es müsste noch sehr viel mehr regnen, um die Defizite der vergangenen Jahre auch nur annähernd auszugleichen, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) Anfang Januar. Der Klimawandel zeige seine Auswirkungen auf die Witterung und ganz besonders auf den Wasserhaushalt, so Backhaus laut einer Mitteilung des Ministeriums. Die von Backhaus vorgeschlagene Anstauung von Regenwasser auf Agrarflächen scheitert nach Auffassung des Landesbauernverbandes und der Wasser- und Bodenverbände des Bundeslandes aber an unklaren Gesetzesregelungen und maroden Staubauwerken.

Nachdem das Jahr 2022 viel zu trocken und auch zu warm gewesen sei, seien Böden, Moore, Seen und Flüsse nicht soweit gefüllt, dass das Wasser über den Sommer reicht, wie es eigentlich der Fall sein sollte, erläuterte Backhaus. Der Winter sei die Jahreszeit, in der sich die Wasserspeicher normalerweise wieder füllen - das sei aktuell nicht der Fall.

„Regenwasser muss in Landschaft
zurückgehalten werden“

Der Minister mahnte vor diesem Hintergrund an, mit dem wenigen Wasser, das zur Verfügung steht, sehr sorgfältig zu haushalten. So dürfe Regenwasser nicht über die Dränagen, Sammler und Bäche schnell abgeführt werden, sondern sollte in der Landschaft zurückgehalten werden. Auch könnten ausbleibende Niederschläge nicht unbegrenzt durch Beregnung kompensiert werden, denn das lasse die ohnehin belasteten Grundwasserspiegel weiter sinken.

Bauernverband: Anstauen
widerspricht Durchgängigkeit

Sprecher des Landesbauernverbandes und der Wasser- und Bodenverbände des Bundeslandes erklärten am Montag, die von Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) vorgeschlagene Anstauung von Regenwasser auf Agrarflächen scheitere an unklaren Gesetzesregelungen und maroden Staubauwerken. „Wir sind auch dafür, dass mehr Wasser in der Landschaft bleibt, aber die Wehre und Stauanlagen wurden über Jahren vernachlässigt“, sagte Frank Schiffner, Pflanzenexperte beim Landesbauernverband. Die Anlagen stammten aus DDR-Zeiten oder von noch früher. Außerdem widerspreche das Ziel des Anstauens den bisherigen Vorgaben, die Gewässer für Fische und Wasserlebewesen möglichst durchgängig zu gestalten.

Laut der Antwort der Landesregierung auf eine Landtagsanfrage sind die Stau- und Wehranlagen zur Regulierung der Wasserstände in der Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern zu einem erheblichen Teil marode. Für die Antwort hatten die Wasser- und Bodenverbände den Zustand von 3.591 der 7.016 Stau- und Wehranlagen im Nordosten bewertet. „Mehr als die Hälfte der Anlagen - rund 51 Prozent - befinden sich in einem nicht ausreichenden bis ungenügenden Zustand und eine umgehende Instandsetzung beziehungsweise Erneuerung ist erforderlich“, hieß es. Der Sanierungsbedarf für diese Anlagen werde auf 252 Millionen Euro geschätzt.

Unklare Zuständigkeiten

Nach Angaben des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände ist im Nordosten zudem nicht geregelt, wer diese Anlagen pflegen und bedienen darf. Dies hänge mit dem Wasserrecht zusammen, das früher die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hatten. Für das Stauen gebe es keine gesetzliche Regelung. Die Verbände wären dazu zwar fachlich in der Lage, aber es fehle Geld und Personal. (EUWID/dpa)   ...

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