
31 Brunnen am Fliegerhorst Hohn im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind mit sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) belastet. Der Kreis teilte mit, dass die Bundeswehr seit Längerem ihre Militärstandorte auf Altlasten untersuche. 2019 wies man auf dem Gelände erstmals erhöhte PFAS-Werte im Bereich des Feuerlöschübungsbeckens nach. Die Verunreinigungen entstanden vor allem durch den Einsatz von PFAS-haltigem Feuerlöschschaum bei Übungen, der damals noch erlaubt war.
Weiterführende Recherchen und Untersuchungen wurden den Angaben zufolge durch die Bundeswehr in den Jahren 2020 bis 2025 durchgeführt. Im vergangenen Jahr gab es erste verlässliche Daten, die den Verdacht nahelegten, PFA-Substanzen könnten über das Oberflächenwasser auch außerhalb des Militärgeländes gelangt sein. Der Fokus richtete sich dabei besonders auf das Trinkwasser, so der Kreis. Denn viele Hausbesitzer im Gebiet um den Flugplatz herum beziehen ihr Trinkwasser aus sogenannten Kleinbrunnenanlagen. Das seien kleine Wasserversorgungsanlagen, die nur wenige Menschen mit Trinkwasser versorgen. Im November 2025 sei vom Gesundheitsamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde die Beprobung von ersten Trinkwasserbrunnen in der nahen Umgebung des Flugplatzes veranlasst worden.
Regierung: Ewigkeitschemikalien richten irreversiblen Schaden an
Schleswig-Holsteins Umweltstaatssekretärin Katja Günther (Grüne) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir setzen uns dafür ein, dass PFAS möglichst zügig und möglichst umfassend eingeschränkt werden“. Viele dieser Stoffe seien hormonell wirksam und krebserregend. Im Trinkwasser habe PFAS nichts zu suchen. Sie wolle sich unverzüglich vom zuständigen Landrat über die Lage berichten lassen.
„PFAS, die bereits in Flüssen, Seen und Meeren sind, lassen sich praktisch nicht wieder herausholen“, sagte Günther. Deshalb müsse verhindert werden, dass immer mehr davon in die Umwelt gelangten und Menschen schadeten. Sie verwies auf ein bereits laufendes Beschränkungsverfahren auf EU-Ebene. „Die Landesregierung hat ein PFAS-Sonderprogramm gestartet, um Kommunen dabei zu unterstützen, besonders kontaminierte Flächen wie die am Bundeswehr-Flugplatz Hohn zu untersuchen.“
Anschluss an zentrale Trinkwasserversorgung in die Wege geleitet
Im November prüfte daher das Gesundheitsamt des Kreises zunächst 20 Brunnen nahe dem Flugplatz, im Dezember folgten dem Kreis zufolge über 100 weitere Wasseranlagen in den Gemeinden Lohe-Föhrden, Königshügel, Alt Duvenstedt und Fockbek. Viele Menschen bezögen dort ihr Trinkwasser aus Kleinbrunnen.
Bei den Untersuchungen fanden die Experten in sieben Brunnen PFAS-Werte über dem Grenzwert, in 24 Brunnen darunter. Alle anderen Wasseranlagen waren frei von Ewigkeitschemikalien. Für die Brunnen mit zu hohen PFAS-Werten riet das Gesundheitsamt, das Wasser weder zu trinken noch zum Kochen zu nutzen. Alle sieben Brunnenbesitzer mit überschrittenen Grenzwerten würden derzeit mit Trinkwasser in Flaschen bzw. mit Geldgutscheinen für Wasser versorgt. Der erste betroffene Haushalt in Hohn habe bereits an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen werden können. Bei zwei weiteren Haushalten liefen die Vorbereitungen. Der Kreis kündigte zudem eine dritte Probenserie an, die 25 weitere Brunnen im östlichen Umfeld des Flugplatzes Hohn umfasst. (dpa/EUWID)



