BUND fordert politische Aufarbeitung des massiven Fisch-Sterbens in der Oder

Umweltministerium untersucht Ursachen und kündigt Maßnahmen an

Im Hinblick auf das mutmaßlich durch das Einbringen einer giftigen Substanz verursachte massive Fisch-Sterben in der Oder hat der Umweltverband BUND eine politische Aufarbeitung gefordert. „Diese ökologische Katastrophe hätte kein solches Ausmaß, wenn deutsche und polnische Behörden intensiver zusammengearbeitet hätten“, erklärte die BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock. Gut informierte Ämter hätten früher gezielt Warnungen auf relevante Stoffe an die Bevölkerung aussprechen können, so Broock in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Bereits seit Ende Juli treiben tote Fische auf der Oder, mittlerweile auf einer Strecke von mehreren hundert Kilometern, heißt es in der Mitteilung. Selbst wenn das Fischsterben auf eine giftige Substanz zurückgeführt werden könne, sei festzustellen, dass diverse und gesunde Ökosysteme besser auf einen solchen Druck reagieren könnten. Das Fisch-Sterben sei deshalb auch Symptom einer jahrzehntelangen Fehlplanung in der Wasserwirtschaft und einer chronischen Unterfinanzierung des Gewässerschutzes, so Broock.

BUND verweist auf gemeinsame
Aufgaben der IKSO

Der BUND weist darauf hin, dass die Vermeidung einer solchen Katastrophe und ein grenzübergreifender Gewässerschutz schon lange gemeinsame Aufgaben im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) seien. Notwendig sei eine umfassende politische Aufarbeitung. „Gewässerschutz muss endlich als gemeinsame, langfristige Aufgabe und elementarer Bestandteil im Kampf gegen die Klimakrise gesehen werden – über nationale, föderale, behördliche, strukturelle und innergesellschaftliche Grenzen hinweg”, erklärte Broock. Im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder soll die grenzübergreifende Umsetzung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) – darunter ein guter ökologischer Zustand bis spätestens 2027 – durch Polen, Tschechien und Deutschland erfolgen.

Die Fischbestände der Oder sind nach Angaben des BUND vielseitigen Belastungen ausgesetzt: Erhöhte Temperaturen und niedrige Wasserstände durch die Klimakrise, permanente chemische Belastungen wie der hohe Quecksilbergehalt durch Kohlekraftwerke, der Beginn von Bauarbeiten in und an der Oder, um eine bestimmte Fahrrinnentiefe zu gewährleisten, eingeschränkte Durchgängigkeit zu den Laichplätzen und erhöhtes Algenwachstum durch Nährstoffeintrag von der Landwirtschaft.

Hinweise auf erhebliche
Quecksilberbelastung

Unterdessen haben Wasserproben nach dem Fischsterben in der Oder in Brandenburg Hinweise auf eine erhebliche Quecksilberbelastung ergeben. „Seit gestern Abend gibt es die ersten Ergebnisse. Die haben wir zwar noch nicht offiziell, aber es deutet in der Tat doch auf eine massive Belastung mit Quecksilber hin als ein Faktor“, sagte der Leiter der Umweltverwaltung im Kreis Märkisch-Oderland, Gregor Beyer, heute im RBB-Inforadio. „Ob das der alleinige ist, wissen wir nicht.“

Umweltministerium: Toxischer
Stoff durchläuft die Oder

Nach Angaben des Umweltministeriums Brandenburg vom Donnerstag bleibt die Ursache für das Fischsterbens an der Oder auch nach Vorliegen erster Untersuchungsergebnisse noch unklar. Es zeichne sich ab, dass ein noch unbekannter, hoch toxischer Stoff die Oder durchläuft. Das Umweltressort habe deshalb die polnischen Behörden um Aufklärung gebeten und zur Aktivierung der üblichen Meldeketten aufgefordert. Außerdem sei die Alte Oder von der Haupt-Oder abgetrennt worden.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) habe Proben des Wassers an das Landeslabor Berlin-Brandenburg übergeben, das diese im Hinblick auf die Bestimmung von organischen Spurenstoffen und Aromaten untersuche. Eine Meldung durch die polnischen Behörden, wie sie in Alarm- und Meldeplan sowie im Havarieplan der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung (IKSO) vorgesehen ist, habe das Landesamt für Umwelt nicht erhalten.

Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sagte, es sei festzuhalten, dass die Meldeketten zwischen der polnischen und der deutschen Seite in diesem Fall nicht funktioniert hätten. Erst durch die Benachrichtigung des LfU sei die Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) in Kenntnis gesetzt worden. Eine Meldung durch die polnischen Behörden stehe nach wie vor aus. „Wir haben uns deshalb an die polnischen Behörden gewandt und bitten umgehend um Aufklärung“, so Vogel.

Das Landesamt für Umwelt hat nach Angaben des Umweltministeriums erste Hinweise auf eine Umweltverschmutzung über das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) am 9. August erhalten. Ein Schiffsführer hätte sich beim LLBB gemeldet und über das Fischsterben berichtet. Das LLBB hat sich mit dieser Information auf kurzem Wege mit dem LfU in Verbindung gesetzt. Daraufhin habe das LfU eine offizielle Meldung an den Verteiler laut Warn- und Alarmplan der IKSO abgesetzt. Eine Bestätigung der Meldung durch die polnische Seite sei bisher noch nicht erfolgt. Auch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Gesamtüberblick über die Zahl an verendeten Fischen in Polen und Deutschland.

Ursache für Stoffeinträge
noch unklar

Proben aus der automatischen Messstation Frankfurt/Oder wurden in das LLBB gebracht. Die ersten Analyseerergebnisse zeigten übereinstimmend, dass am 8. August, eine starke Welle organischer Substanzen durch Frankfurt ging und sich seitdem flussabwärts – aktuell bis Schwedt - fortsetzt. Die Auswirkungen auf das Ökosystem ließen auf synthetische chemische Stoffe, sehr wahrscheinlich auch mit toxischer Wirkung für Wirbeltiere, schließen. Die Ursache für diese Stoffeinträge sei derzeit noch unklar. Morgen werden die ersten Ergebnisse der organischen Spurenstoffanalyse erwartet.

Zudem habe das Landesamt für Umwelt eine Beprobung der verendeten Fische angeordnet, um die Ursache des Fischsterbens zu analysieren. Nach Angaben des polnischen Gewässeramts in Wroclaw seien in neueren Proben dort keine Belastungen durch die giftige Substanz Mesitylen festgestellt worden.                                                             

Polens Umweltbehörde: Fischsterben
wohl durch Industrie verursacht

Nach Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde ist das Fischsterben in der Oder wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst worden. „Alles deutet darauf hin, dass die Verschmutzung der Oder, die zum Sterben zahlreicher Fische geführt hat, industriellen Ursprungs sein könnte“, sagte die stellvertretende Leiterin der Behörde, Magda Gosk, am Donnerstag. Die Umweltbehörde versuche, mit Drohnenüberflügen potenzielle Verschmutzungsquellen aufzuspüren und festzustellen, wie der Zustand des Flusses sei. Man untersuche, um welche Substanz es sich handelt und „vor allem, wer diese Substanz wo in die Oder eingeleitet hat“, sagte Gosk weiter. (EUWID/dpa)...

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