DUH kritisiert mangelnde Vorbereitung der Länder auf Jahrhunderthochwasser

Viele Bundesländer sind nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Fall eines Jahrhunderthochwassers nicht ausreichend vorbereitet. Dabei seien die Risiken für schwere Schäden in einigen Regionen hoch, wie der Verein mitteilte. „Bislang tun die Bundesländer jedoch zu wenig für den Schutz der potenziell hunderttausenden Betroffenen“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner laut einer Mitteilung der DUH. Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hätten deutschlandweit den höchsten Risikograd.

Nachholbedarf im Bereich Hochwasservorsorge und Vorsorgemonitoring sieht die DUH vor allem beim naturbasierten Hochwasserschutz der Länder, etwa der Renaturierung von Auen und Flüssen. Durch solche Maßnahmen könnte sich Wasser besser ausbreiten und langsam wieder abfließen. „Flüsse und Bäche brauchen endlich mehr Raum, Wasser muss in intakten Wäldern, Wiesen und Feuchtgebieten zurückgehalten werden“, sagte Müller-Kraenner.

Ein Jahrhunderthochwasser tritt statistisch gesehen zwar nur einmal alle 100 Jahre auf, aber: „Im Zuge der Klimakrise sind Wasserstände dieser Höhe zukünftig häufiger zu erwarten“, schreibt die Umwelthilfe.

Vorrang für naturbasierten Hochwasserschutz

Die DUH nennt fünf wesentliche Stellschrauben für zukunftsfähigen Hochwasserschutz in Deutschland: So müssten die Bundesländer die Kommunen dabei unterstützen, schneller fit für Extremwetterereignisse zu werden, die mit Überflutungsgefahren und Wassermangel einhergehen. Naturbasierter Hochwasserschutz müsse Vorrang vor technischem Hochwasserschutz haben, und die Bundesländer müssten Rückbaumaßnahmen in Überschwemmungsgebieten fördern. Nach Auffassung der DUH müssten die  Bundesländer mehr Daten zu ihren Hochwasserschutzmaßnahmen erheben und diese vergleichbarer gestalten, und der Austausch zwischen den Ländern zu guten Lösungen für den naturbasierten Hochwasserschutz sei zu fördern.

Aus der bei einem Jahrhunderthochwasser potenziell von Schäden betroffenen Fläche und der Zahl der betroffenen Wohnadressen errechnete die DUH nach eigenen Angaben einen Hochwasser-Risikograd für die Länder. Der Risikograd sei dann besonders hoch, wenn ein Bundesland insgesamt eine große Hochwasser-Risikofläche gemäß EU-Definition hat und gleichzeitig viele Wohnadressen in den möglichen Überflutungsgebieten liegen. Die Berechnungen basieren laut DUH auf Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG).

Hoher Risikograd in Bayern

In Bayern ist der Risikograd den Angaben zufolge mit 8,29 am höchsten. Dort seien mit mehr als 65.000 Wohnadressen besonders viele Menschen einem Hochwasserrisiko ausgesetzt, gleichzeitig sei dort bei einem Jahrhunderthochwasser auf 4,25 Prozent der Landesfläche mit erheblichen Schäden für Menschen, Umwelt, Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten zu rechnen. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen wäre dies zwar bei 6,8 Prozent der Landesfläche der Fall, hier wären mit rund 28.000 Wohnadressen aber deutlich weniger Menschen als in Bayern einem Hochwasserrisiko ausgesetzt.

Baden-Württemberg zählt laut einer Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu den Bundesländern mit dem höchsten Schadenspotenzial durch Jahrhunderthochwasser. Der Hochwasser-Risikograd sei mit 7,96 am zweithöchsten. Im Südwesten gelten 4,72 Prozent der Landesfläche als Hochwasserrisikogebiete. In Baden-Württemberg könnten 54.593 Adressen von einem Jahrhunderthochwasser betroffen sein.

Hoch ist der Anteil der Risikoflächen an der Landesfläche auch in Brandenburg (6,2 Prozent), Sachsen-Anhalt (5,9 Prozent), Baden-Württemberg (4,7 Prozent) und Hessen (4,6 Prozent). Am geringsten ist er in Mecklenburg-Vorpommern mit 0,7 Prozent.

Ein Jahrhunderthochwasser ist statistisch gesehen einmal alle 100 Jahre zu erwarten. Die DUH weist aber in ihrer Mitteilung darauf hin, dass sich die Werte auf Messreihen aus der Vergangenheit beziehen. Im Zuge der Klimakrise seien Wasserstände dieser Höhe zukünftig häufiger zu erwarten. (EUWID/dpa)

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