Das Abschmelzen der Alpengletscher hat gravierende Auswirkungen auf die Wassermenge im Rhein. Die Umwelt und vor allem auch Wirtschaft und Industrie in Deutschland seien dadurch massiv bedroht. Darauf hat die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) anlässlich des Tages des Wassers am 22. März hingewiesen, den die der Vereinten Nationen in diesem Jahr dem Thema „Erhalt der Gletscher“ gewidmet haben. In trockenen Sommermonaten sinke der Rheinpegel aufgrund des fehlenden Gletscherwassers um bis zu 30 cm, was zu erheblichen Störungen im Transportwesen und der Binnenschifffahrt führe, heißt es in einer Mitteilung der DWA.
Diese Veränderungen könnten Lieferketten unterbrechen, den Warenfluss erheblich hemmen und Milliardenverluste für die Industrie verursachen. Auch die langfristige Wasserversorgung, die für die Landwirtschaft und industrielle Prozesse entscheidend ist, werde zunehmend gefährdet. „Der Klimawandel verändert die Wirtschafts- und Umweltbedingungen in Deutschland dramatisch. Die Gletscherschmelze hat konkrete Auswirkungen auf die Wassermenge im Rhein, wodurch die Binnenschifffahrt beeinträchtigt wird. Nur durch konsequenten Klimaschutz können wir sicherstellen, dass der Rhein auch in Zukunft ganzjährig schiffbar bleibt und die Wasserversorgung gewährleistet ist“, erklärte Lisa Broß, Sprecherin der Bundesgeschäftsführung der DWA.
Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser zur Bewässerung prüfen
In Anbetracht dieser Entwicklungen müssten die Wassernutzer entlang des Rheins intelligente und abgestimmte Wassermanagementstrategien entwickeln, um die Auswirkungen der veränderten Wasserführung auf die Schifffahrt und Wasserversorgung zu minimieren. Zudem sollten nach Auffassung der DWA Alternativen wie die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser für die Bewässerung in Landwirtschaft und Industrie geprüft werden, um die Wasserversorgung auch in Trockenphasen sicherzustellen.
Seit 1850 hätten die Gletscher in den Alpen mehr als die Hälfte ihres Volumens verloren, und dieser Trend setze sich fort. Selbst bei intensivem Klimaschutz werde Ende dieses Jahrhunderts nur noch ein Drittel des Gletschervolumens von 2017 erhalten bleiben. Ohne Maßnahmen zum Klimaschutz seien nur noch fünf Prozent des Gletschervolumens in hohen Lagen zu erwarten.
Bis Ende dieses Jahrhunderts könnte kein Gletscherwasser mehr in den Rhein fließen
Im Rheineinzugsgebiet könnte bis Ende dieses Jahrhunderts ohne Gletscher kein Gletscherwasser mehr in den Rhein fließen – was die Wassermenge und den Abfluss in der Region drastisch verändern würde, schreibt die DWA. Obwohl der Anteil des Gletscherwassers am Rheindurchfluss im Jahresmittel gering sei, spiele er in Trockenphasen eine entscheidende Rolle. Im Jahr 2018, einem Jahr mit Gletscherwasser, machte der Gletscheranteil in Basel zeitweise 25 Prozent des Rheindurchflusses aus, in Lobith an der deutsch-niederländischen Grenze betrug er noch 17 Prozent.
Ohne diese zusätzliche Wassermenge wäre der Wasserstand des Rheins noch stärker gesenkt worden – mit dramatischen Konsequenzen für die Schifffahrt und die Industrie. Der Klimawandel verschiebe zudem die Niederschläge stärker in die Wintermonate und reduziert die Schneemengen in den Alpen. Dies führe zu einer Veränderung der Abflussregime im Rheineinzugsgebiet: Der Abfluss nimmt im Sommer ab und steigt im Winter an - diese Veränderungen beeinträchtigen nicht nur die Binnenschifffahrt, sondern auch die Wasserversorgung von rund 60 Millionen Menschen entlang des Rheins, die auf das aufbereitete Rheinwasser angewiesen sind, so die DWA.
DVGW: Schutz der Wasserversorgung muss oberste Priorität haben
Auch der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) betont, dass das Schrumpfen der Gletscher auch in Deutschland Auswirkungen habe. Zwar sei die Wasserversorgung nach allen derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen auch in Zukunft sicher, so der DVGW in einer Mitteilung. Die jahreszeitliche Verteilung der Abflussmenge des Gletscherschmelzwassers verändere sich, und der kontinuierliche Nachschub, der für eine gleichmäßige Wasserführung der Flüsse in einigen Regionen wichtig ist, bleibe aus. Dadurch nehme die ungleiche Verteilung der Ressource Wasser weiter zu.
Schon jetzt seien die Wasserversorger mit erheblichen Mehraufwendungen konfrontiert, um ihre Infrastruktur an die klimawandelbedingten Extreme anzupassen, erklärte Wolf Merkel, Vorstand des DVGW. Eine durchgängig resiliente Versorgung könne es aber nur geben, wenn die Politik die Genehmigung von Infrastrukturvorhaben erheblich beschleunige. Zudem sei eine sichere Wasserversorgung in überragendem öffentlichen Interesse und zügig im Wasserhaushaltsgesetz explizit zu verankern. „Intakte natürliche Lebensgrundlagen sind die Grundvoraussetzung für eine sichere Wasserversorgung. Sie zu schützen, muss oberste Priorität haben“, so Merkel.
BDEW: Schutz der Wasserressourcen in den Focus rücken
Dass Investitionen in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur deutlich schneller umgesetzt werden müssen, um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, fordert auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Die Klimaveränderungen mit zunehmenden Trockenperioden und Starkregenereignissen stellen die Wasserwirtschaft vor immense Herausforderungen", erklärte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, laut Mitteilung des Verbandes. Benötigt würden - analog zum Ausbau Erneuerbarer Energien - Genehmigungsverfahren, die den Ausbau der Infrastruktur beschleunigten.
Auch der Schutz der Wasserressourcen muss dem BDEW zufolge weiter in den Fokus rücken. Um die Qualität unserer Gewässer langfristig zu sichern, gelte es, Verschmutzungen bereits an der Quelle zu vermeiden. Das bedeutet, Pflanzenschutzmittel und schädliche Stoffe nicht ins Wasser einzutragen und Altmedikamente umweltgerecht zu entsorgen. Gleichzeitig kann nach Auffassung des BDEW jede und jeder Einzelne im Alltag einen Beitrag leisten, indem beispielsweisewassersparende Maßnahmen wie das Nutzen effizienter Armaturen umgesetzt werden und die Gartenbewässerung im Sommer nicht während der Tageszeit erfolgt.




