|  

„Die Corona-Pandemie hat das Digitalisierungstempo von Arbeitsroutinen erhöht“

„Die Corona-Pandemie hat das Digitalisierungstempo von Arbeitsroutinen erhöht“
Dr. Wolf Merkel (© DVGW/Kurda)
18.08.2020 − 

Die Digitalisierung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe für die Versorgungsbranche. Die Erwartungen an Effizienz- und Qualitätssteigerungen von Betriebsabläufen, höhere Transparenz oder neue Geschäftsmodelle sind hoch. Versorgungsunternehmen stehen vor der Aufgabe, sich mit den Chancen und Risiken der digitalen Transformation auseinander zu setzen und ihre Prozesse bestmöglich an ihren Anforderungen und Potenzialen auszurichten. EUWID hat mit Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), darüber gesprochen.

Herr Dr. Merkel, war der Ausbruch der Corona-Pandemie eher Hemmschuh oder Katalysator für den digitalen Wandel? Welche Entwicklungen waren hierbei speziell in der Wasserversorgung zu beobachten?

Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Unternehmen der Wasserversorgung intensiv mit der Digitalisierung befasst. Denn die Branche hat erkannt, dass die digitale Transformation weit mehr ist ein technologischer Trend. Sie ist Grundlage einer Modernisierungsstrategie mit vielen Facetten, die enorme Chancen bei der Bewältigung der Zukunftsaufgaben in der Wasserversorgung bietet. So kann beispielsweise durch die Schaffung intelligenter Prozesse die Sicherheit der Versorgung erhöht werden. Durch die IT-gestützte Übernahme repetitiver Prozesse kann die Wirtschaftlichkeit verbessert werden, durch den bedarfsgerechteren Einsatz von Betriebsstoffen die Nachhaltigkeit, durch digitale Serviceprozesse der Kundenservice oder durch eine erhöhte Transparenz der Prozesse mittels verbesserter Sensorik die Qualitätsüberwachung erhöht werden.

Eindeutig hat die Corona-Pandemie als Katalysator für „Digitalisierung im operativen Betrieb“ gewirkt und das Digitalisierungstempo von Arbeitsroutinen erhöht. Vor dem Hintergrund bundesweit geltender Kontaktbeschränkungen mussten in kürzester Zeit zum Beispiel Einsatzteams zum eigenen Schutz separiert und deren Austausch über digitale Meetings und digitale Workflows sichergestellt werden. Eine logistische Herausforderung war es in vielen Unternehmen, Baustellenkoordination und -überwachung ebenso wie Wartung und Unterhalt der trinkwassertechnischen Anlagen bis hin zum Rohrnetz so zu koordinieren, dass sich Teams nicht begegneten und dennoch jeweils die komplette technische Ausstattung zur Verfügung hatten. Dies alles hat eine spürbare Veränderung des Kommunikationsverhaltens bewirkt. Die Akzeptanz digitaler Kommunikationsmedien hat sich deutlich erhöht.

Welche Risiken und Herausforderungen stehen dem gegenüber?

Den positiven Effekten auf vielen Ebenen stehen eine Reihe von Hürden und Gefahren gegenüber. Der Ausbau der Digitalisierung geht in den Unternehmen mit einem hohen Investitionsbedarf einher, zum Beispiel in den Bereichen Smart Grids oder Smart Meter. Häufig ist die Konnektivität zu dezentralen Anlagen der Wasserversorger nicht vorhanden, sichere Netzwerk-Anbindungen fehlen bei entfernt gelegenen Anlagen. Hier muss der Versorger oft erst eigene Infrastruktur schaffen, zum Beispiel durch den Anschluss eigener Netzwerk-Kabel oder den Aufbau von Richtfunkstrecken. Die Implementierung neuer Technologien erfordert immer auch entsprechend qualifiziertes Personal. Noch fehlt in den Unternehmen jedoch eine ausreichende Zahl qualifizierter Fachkräfte, die über Know-how für den Aufbau der digitalen Infrastrukturen verfügen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wichtiger Prozesse steigt auch die Bedeutung von Instrumenten, um die kritische Infrastruktur, zu der die Wasserversorgung gehört, wirksam gegen Ausfälle und Hacker-Angriffe zu schützen. Denn die Implementierung oder Erweiterung digitaler Strukturen kann zum Einfallstor für Kriminelle werden. Ein notwendiges Maß an IT-Sicherheit muss daher mit der Digitalisierung Hand in Hand gehen. Der DVGW hat hierzu einen Branchenstandard erarbeitet, der die Unternehmen unterstützt, ihre IT-Infrastruktur nach dem Stand der Technik zu schützen. Der Standard wurde gemeinsam mit der DWA für alle Unternehmen entwickelt, die zur Erfüllung des BSI-Gesetzes verpflichtet sind. Aber auch allen anderen Wasserversorgern bietet er eine einfache Möglichkeit, die sicherheitstechnischen Schwachstellen ihrer IT-Infrastruktur zu identifizieren und geeignete Schutzmaßnahmen gegen Cyber-Angriffe zu ergreifen.

Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 34.2020 von EUWID Wasser und Abwasser, die am 18. August 2020 als E-Paper und Printmedium erscheinen ist. Die Fachzeitung informiert Leser mit knappem Zeitbudget kompakt über die relevanten Entwicklungen in der Wasser- und Abwasserbranche.

Noch kein Abonnent? Mit einem Testpaket können Sie sämtliche Informationsmodule von EUWID Wasser und Abwasser (u.a. Printausgabe, E-Paper, Archiv und Top-News) kostenlos und unverbindlich ausprobieren.

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − VKU begrüßt Ankündigung einer Wasserstrategie durch die Bundesumweltministerin

Expertenkommission Fracking legt zweiten Bericht vor  − vor