GCEW-Report: Wasserkrise gefährdet mehr als die Hälfte der Nahrungsmittelproduktion

„Globaler Wasserkreislauf gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht“

Der globale Wasserkreislauf gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht – mit weltweiten Folgen für Wirtschaft und Menschheit. Das ist die Kernbotschaft eines aktuell veröffentlichten Berichts der Globalen Kommission für die Ökonomie des Wassers (GCEW). Die Autorinnen und Autoren, darunter Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), warnen, dass die globale Wasserkrise bis 2050 mehr als die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion gefährden könne.

Das habe einen weltweiten Rückgang des Bruttoinlandprodukts um durchschnittlich acht Prozent zur Folge, heißt es in dem Report. In Ländern mit niedrigerem Einkommen könne dieser Rückgang sogar zehn bis fünfzehn Prozent betragen. Der Bericht weist darauf hin, dass der Wert von Wasser für die Weltwirtschaft neu bestimmt werden muss und formuliert fünf Handlungsfelder, um der bestehenden Wasserkrise entgegenzuwirken, darunter eine Transformation der Landwirtschaft und die Gründung eines sektorübergreifenden globalen Wasserpaktes.

Ressource ist unterbepreist

Der anhaltende verschwenderischen Umgang mit Wasser geht laut den Forschenden darauf zurück, dass die Ressource unterbepreist ist. Bislang konzentrierten sich volkswirtschaftliche Ansätze vor allem auf „blaues Wasser“ in Flüssen, Seen und Grundwasserleitern und lassen die Rolle von „grünem Wasser“, in Böden und der Pflanzenwelt, außen vor. Dabei gelange letzteres in die Atmosphäre und spiele in Form von Niederschlägen eine maßgebliche Rolle für die Wasserversorgung.

Bedeutung von grünem Wasser unterschätzt

Auch die Bedeutung von grünem Wasser bei der natürlichen Speicherung von Kohlendioxid im Boden werde unterschätzt. Der Bericht betont die Dringlichkeit der Wasserproblematik. Für ein menschenwürdiges Leben seien, wenn man das Wasser für Nahrungsmittel und andere tägliche Bedarfe mit einberechne, mindestens 4.000 Liter pro Person und pro Tag erforderlich.

Pflanzliche Ernährung verbraucht weit weniger Wasser

Für eine Transformation der Landwirtschaft sollen dem Bericht zufolge die Mikrobewässerung ausgebaut sowie stickstoffhaltige Düngemittel verringert werden. Die regenerative Landwirtschaft sei auszubauen und schrittweise sei eine pflanzliche Ernährung zu fördern, die weit weniger Wasser verbrauche als tierische Ernährung.  

Für die Bewahrung und Wiederherstellung natürliche Lebensräume sollten 30 Prozent der Wälder erhalten und 30 Prozent der globalen Ökosysteme bis 2030 wiederhergestellt werden, insbesondere jene, die zu einem stabilen Wasserkreislauf beitragen.  

Aufbau einer Wasserkreislaufwirtschaft und saubere Energie mit effizienterer Wassernutzung

Abwasser ist dem Bericht zufolge aufzubereiten und wiederzuverwenden, wobei die Verteilung und Rückgewinnung effizienter zu gestalten seien. Es gelte zudem, die Wasserverschwendung durch den Einsatz von erneuerbaren Energien, energieeffizienter Technik und künstlicher Intelligenz zu reduzieren.

Bis 2030 Zugang zu sauberem Wasser für alle Menschen

Das GCEW fordert, bis 2030 den Zugang zu sauberem Wasser für alle Menschen sicherzustellen, auch für schwer zugängliche Gemeinden. Das erfordere Investitionen in dezentrale Wasseraufbereitungssysteme.

Als Voraussetzung identifizieren die Autorinnen und Autoren die Notwendigkeit eines sektorübergreifenden globalen Wasserpaktes mit internationalen Partnerschaften und einer stabilen globalen Wasserdateninfrastruktur, die nicht nur blaues, sondern auch grünes Wasser umfasse und Wasser als Naturkapital einstufe.

Die GCEW wurde dem PIK zufolge im Mai 2022 als Mitveranstalter der UN-Wasserkonferenz 2023 einberufen, mit dem Ziel,  Wasser als globales Gemeingut neu zu definieren.    

Das „Executive Summary: The Economics of Water: Valuing the Hydrological Cycle as a Global Common Good“ der Global Commission on the Economics of Water (GCEW) finden Sie hier: link.euwid.de/xuypu

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