Kieler Anlage zur Klärschlammverbrennung mit P-Rückgewinnung erhält Landesförderung

Umweltminister Goldschmidt überreicht Förderbescheid über 17,7 Mio. Euro

Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Kieler MPK GmbH & Co. KG bei der Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage mit integrierter Phosphorrückgewinnung. Einen Förderbescheid über 17,7 Mio. Euro hat Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) am vergangenen Freitag überreicht. Die Anlage der Remondis GmbH & Co. KG, Region Nord, und der Müllverbrennung Kiel GmbH & Co. KG (MVK), Gesellschafter der MPK, soll bis 2028 errichtet werden und 2029 in Betrieb gehen.

Die Anlage werde der Import-Abhängigkeit von mineralischem Phosphor entgegenwirken, das Klima schützen und einen Beitrag zum Gewässerschutz leisten, erklärte Goldschmidt in Kiel. „Sowohl die Verbrennung von Klärschlamm als auch die Phosphorrückgewinnung finden auf derselben Anlage statt, und gleichzeitig wird Wärme für tausende Haushalte produziert. Synergieeffekte werden konsequent ausgenutzt.“

Wichtiger Baustein im Abfallwirtschaftsplan Klärschlamm von Schleswig-Holstein

Zudem werde mit der Anlage ein wichtiger Baustein des Abfallwirtschaftsplans Klärschlamm umgesetzt, der vom Klärschlammbeirat Schleswig-Holstein vorbereitet wurde, betonte der Minister. Phosphor werde im regionalen Wirtschaftskreislauf geführt.

Wie berichtet, soll in der Anlage das vom Entsorger Remondis entwickelte Tetraphos-Verfahren zum Einsatz kommen, das seit 2021 in Hamburg in der Großanlage „Hphor“ von Hamburg Wasser im Probebetrieb läuft. Anfang November 2024 wurde bekannt, dass sich der vollautomatisierte Regelbetrieb in Hamburg aufgrund von notwendigen technischen Erweiterungen verzögern wird.

Mit einer Kapazität von rund 30.000 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz pro Jahr soll die neue Klärschlammverbrennungsanlage Entsorgungssicherheit für rund 50 Prozent des Klärschlamms aus ganz Schleswig-Holstein gewährleisten, teilte das Umweltministerium in Kiel mit. Jährlich würden rund 48.600 MWh Wärme erzeugt.

Tetraphos-Anlage soll jährlich 12.000 Tonnen Asche verwerten

Die anfallende Klärschlamm-Asche werde in der Tetraphos-Anlage verwertet. Pro Jahr könnten so aus rund 12.000 Tonnen Asche unter anderem etwa 4.200 Tonnen Phosphorsäure und 5.800 Tonnen Gips gewonnen werden. Die neuen Anlagen zur Verbrennung und zur Phosphorrückgewinnung sollen in den Gebäudebestand der MVK integriert werden.

„Remondis und die Müllverbrennung Kiel mit ihrem Hauptgesellschafter Landeshauptstadt Kiel wollen den Kläranlagenbetreibern in Schleswig-Holstein eine Anlage zur Verfügung stellen, die ihnen ab 2029 in einem Öffentlich-Private-Partnerschaft-Modell die gesetzlich vorgeschriebene Entsorgungssicherheit für Klärschlämme mit Phosphorrückgewinnung sicherstellt“, erklärten der Remondis-Geschäftsführer der MPK, Ralph Müller-Beck, und der Geschäftsführer der Müllverbrennung Kiel und der MPK, Frank Ehlers. Die Förderung durch das Land sei ein wichtiger Baustein zur Realisierung dieses innovativen industriellen Verfahrens in Kiel.

„Das innovative ganzheitliche Konzept von thermischer Abfallbehandlung, Klärschlammverbrennung und Phosphorrückgewinnung setzt neue Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz und Umweltschutz“, sagte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH), Hinrich Habeck. Besondere Vorteile der Anlage seien neben der effizienten Nutzung der Abfall- und Klärschlammenergie unter anderem die Mehrfachnutzung des im Klärschlamm enthaltenen Wassers und die Minimierung der Schadstoffemissionen.

4.000 zusätzliche Haushalte sollen mit Fernwärme versorgt werden

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) erklärte, mit der Klärschlammverbrennung könnten weitere 4.000 Kieler Haushalte mit CO2-neutral erzeugter Fernwärme versorgt werden. „Damit ist die MVK fester Bestandteil des Masterplans 100 Prozent Klimaschutz.“ Die Müllverbrennungsanlage beliefert aktuell 17.000 Haushalte mit Fernwärme.

Wie das Umweltministerium weiter mitteilte, habe das Projekt Vorbildfunktion für den Klimaschutz. So kalkulieren die Betreiber in den Bereichen Stromerzeugung und Phosphorrückgewinnung mit einer Einsparung von rund 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Darüber hinaus werde die Anlage durch ihre innovative Verfahrenstechnik die Freisetzung von Lachgas bei der Klärschlammverbrennung deutlich reduzieren.

Die MVK ist eine ÖPP-Gesellschaft zwischen der Landeshauptstadt Kiel, die 51 Prozent der Anteile hält, und der Remondis GmbH, Lünen, die Inhaberin der restlichen Anteile ist. Die MPK wiederum ist ein gemeinsames Tochterunternehmen der Remondis GmbH & Co. KG, Region Nord (51 Prozent), und der MVK (49 Prozent).

- Anzeige -

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -