
Der Trinkwasserbedarf der Städte Bremen und Bremerhaven wird bis zum Jahr 2050 ansteigen - um den neuen Herausforderungen zu begegnen, hat Bremen gemeinsam mit dem Energie- und Trinkwasserversorger swb und dem Institut für Wasserforschung (IWW Zentrum Wasser) ein Trinkwasserversorgungskonzept für das Land Bremen erstellt, das insbesondere die Folgen des Klimawandels berücksichtige. Die Umsetzung werde in den kommenden Jahren über das neue Kooperationsmodell Wasser Bremen (KoM-WaB) gemeinsam mit den beteiligten Akteuren erfolgen, teilte der Senat mit.
Das Trinkwasserversorgungskonzept 2050 zeige auf, wie viel Trinkwasser benötigt wird und wie der Bedarf gedeckt werden kann. Nach den Berechnungen braucht die Stadt Bremen derzeit jährlich 31,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser, im Jahr 2050 sollen es schon 34,8 Millionen Kubikmeter sein. Auch in Bremerhaven wird künftig mehr Trinkwasser benötigt: Statt bisher 8 Millionen Kubikmeter werden dann voraussichtlich 8,8 Millionen Kubikmeter verbraucht. Wenn künftig tatsächlich so viel Trinkwasser benötigt wird, reiche die Lieferung nicht aus. Insbesondere für die Stadt Bremen wird es eng, erst recht mit Sicherheitspuffer. „Dann haben wir im Jahr 2050 mit einem Defizit von fast fünf Millionen Kubikmeter zu rechnen“, sagte Michael Koch, zuständiger Referatsleiter beim Umweltressort. Für Bremerhaven ergebe sich mit Puffer ein Defizit von 700.000 Kubikmetern.
Die Qualität und die Menge des bereitgestellten Trinkwassers solle dauerhaft sichergestellt werden, unter anderem durch die Fortführung der Förderung einer gewässerschonenden Landwirtschaft in den Wasserschutzgebieten und das Monitoring des Grundwassers. Auch vor dem Hintergrund der Nationalen Wasserstrategie habe der Senat der Freien Hansestadt Bremen bereits im Jahr 2021 beschlossen, ein Trinkwasserversorgungskonzept für das Land aufzustellen.
Kooperationen zwischen Bremen, swb und niedersächsischen Wasserversorgungsunternehmen
Der Wasserbezug aus Niedersachsen wird dem Konzept zufolge zukünftig durch länderübergreifende Kooperationen zwischen der Freien Hansestadt Bremen, dem Energie- und Trinkwasserversorger swb und den niedersächsischen Wasserversorgungsunternehmen strategisch gestärkt und langfristig zukunftssicher gestaltet. Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf (Grüne) erklärte: "Der Klimawandel und die demographische Entwicklung erfordern eine Neuausrichtung der öffentlichen Wasserversorgung. Diese Herausforderung kann nur länderübergreifend durch die Zusammenarbeit aller Akteure bewältigt werden.“ Der im Herbst 2024 geschlossene Wasserpakt mit Niedersachsen sei deshalb eine wesentliche Grundlage für das jetzt vorgelegte Trinkwasserversorgungskonzept. Nach dem Wasserpakt werden unter anderem Nutzer in Bremen und Niedersachsen nach gleichen Maßstäben und Grundsätzen im Hinblick auf die Sicherstellung der Wasserversorgung und die Deckung ihres jeweiligen Bedarfs bewertet.
Deckung künftiger Mehrbedarfe im Fokus
Gemeinsam sollten Projekte entwickelt und durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei den Angaben zufolge unter anderem die Deckung künftiger Mehrbedarfe, die Förderung und weitere Intensivierung eines sorgsamen Umgangs mit Trinkwasser, die stärkere Vernetzung von lokalen Versorgungsräumen und das Abpuffern von Spitzenlasten.
Parallel dazu würden die Aktivitäten rund um das zentrale Thema Wassersparen in Bremen ausgebaut. Ein Projekt zur flächendeckenden Ermittlung von Einsparpotenzialen beim Trinkwasser soll die zukünftige Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs unterstützen. Zusätzlich würden Initiativen das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für einen sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser fördern.
Der Trinkwasserbedarf Bremerhavens wird den Angaben zufolge komplett durch die Wasserwerke von Wesernetz gedeckt. Auch der Mehrbedarf bis 2050 könne in Eigenversorgung gedeckt werden – sofern auch hier Einsparmaßnahmen umgesetzt würden. Das Trinkwasser zur Versorgung der Stadt Bremen werde schon heute zu etwa 80 Prozent aus dem niedersächsischen Umland bezogen. Jährlich würden etwa 27 Millionen Kubikmeter von den Harzwasserwerken, dem Oldenburg-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und dem Trinkwasserverband Verden geliefert.
BUND fordert Pilotprojekte in Turnhallen und Schwimmbädern
Der Umweltverband BUND begrüßt das Konzept der Umweltbehörde. Besonders die Absicht zur Renaturierung in den niedersächsischen Einzugsgebieten sei wichtig, um ökologische Schäden zu minimieren, heißt es in einer Mitteilung des BUND-Landesverbandes Bremen. Dringenden Handlungsbedarf sieht der BUND noch beim Einsparen von Wasser, insbesondere bei öffentlichen Gebäuden mit hohem Wasserbedarf. „Vor allem Turnhallen und Schwimmbäder benötigen täglich viele Kubikmeter Trinkwasser für Duschen, Waschbecken und Reinigungsarbeiten», meint Laila Lüttke vom BUND Bremen und fordert Pilotprojekte mit Grauwasser. Dabei wird das Betriebswasser aus der Dusche, den Waschbecken und Waschmaschinen vor Ort aufgefangen, gereinigt und anschließend für die Toilettenspülung oder die Bewässerung von Grünflächen wiederverwendet. (EUWID/dpa)



