Die Belastung des Grundwassers mit Pestizid-Wirkstoffen ist zurückgegangen. Das zeigt ein aktuell veröffentlichter Bericht der Bund-Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) zur Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland an mehr als 16.000 untersuchten Messstellen. Der Rückgang betreffe im Berichtszeitraum 2017 bis 2021 vor allem Stoffe, die nicht mehr zugelassen sind und deren Konzentration im Grundwasser nun langsam abnehme, heißt es in der Studie, die unter Mitarbeit des Umweltbundesamtes (UBA) erarbeitet wurde. Deutlich häufiger tauchen hingegen Metaboliten auf – mittlerweile an über 70 Prozent der Messstellen.
In Grundwasserproben von bundesweit 16.180 Messstellen wurden den Angaben zufolge 482 Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und relevante Metaboliten untersucht. An 19 Prozent der Messstellen seien Belastungen mit solchen Substanzen nachgewiesen worden. Insgesamt wurden dem Bericht zufolge 164 von den 482 untersuchten Pflanzenschutzmittelwirkstoffen im Grundwasser nachgewiesen.
Der Vergleich von nunmehr sieben Betrachtungszeiträumen zeige, dass sich die Belastung des Grundwassers mit Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und relevanten Metaboliten in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich verringert hat. Wurden von 1990 bis 1995 noch an 9,7 Prozent der untersuchten Messstellen Konzentrationen oberhalb des gesetzlichen Schwellenwertes von 0,1 µg/l festgestellt, waren dies im aktuellen Zeitraum nur noch 3,6 Prozent bzw. 587 Messstellen. Der Rückgang gehe hauptsächlich auf den abnehmenden Trend bei Atrazin zurück, das bereits seit 1991 nicht mehr angewendet werden darf. Trotzdem sei Atrazin noch immer einer der am häufigsten gefundenen Stoffe. Dieses Beispiel zeige, dass Pestizide auch noch nach Jahrzehnten das Grundwasser kontaminieren können, so das Umweltbundesamt.
Zu den am häufigsten gefundenen Einzelsubstanzen zählten zudem neun Wirkstoffe, die in den Jahren 2017 bis 2021 in zugelassenen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt wurden. Das sind laut Bericht die herbiziden Wirkstoffe Bentazon, Mecoprop-P, Glyphosat, Metribuzin, Chlortoluron, Quinmerac, Terbuthylazin, Metazachlor und S-Metolachlor. Neu seien vergleichsweise hohe Fundraten der relevanten Metaboliten 1,2,4-Triazol und Metazachlor-Metabolit BH 479-9, die im Berichtzeitraum beide erstmalig untersucht wurden.
„Wirkstoffe mit hohen Einträgen von Metaboliten müssen besser gemanagt werden“
Im Vergleich dazu würden die sogenannten „nicht relevanten“ Metaboliten deutlich häufiger - an 72 Prozent der untersuchten Messstellen - und zum Teil auch in höheren Konzentrationen im Grundwasser nachgewiesen. Im vorherigen Berichtszeitraum 2013 bis 2016 waren es noch 58 Prozent. Vor allem die Metaboliten der Wirkstoffe Metazachlor, S-Metolachlor, Chlorthalonil und Dimethachlor werden sehr häufig gefunden und geben Anlass zur Sorge über den Zustand des Grundwassers, so das Umweltbundesamt. Wirkstoffe mit bekanntermaßen hohen Einträgen von Metaboliten müssen daher besser gemanagt werden. Der Entwurf der neuen EU-Grundwasserrichtlinie enthält eine Qualitätsnorm von einem µg/l für nicht relevante Metaboliten – ein wichtiger Schritt, um solche Stoffeinträge zu mindern.
TFA nahezu flächendeckend im Grundwasser gefunden
Die nicht abbaubare Trifluoressigsäure (TFA) wurde an 76 Prozent der Messstellen und daher nahezu flächendeckend im Grundwasser gefunden. Umfangreiche Monitoringdaten für den Stoff seien im Rahmen der Studie erstmalig ausgewertet worden. TFA ist ein Metabolit verschiedener Pestizide, kann den Angaben zufolge aber auch andere Eintragsursachen als die Landwirtschaft haben. Diese Funde stellen nach Einschätzung des UBA eine große Herausforderung dar, da der Stoff sich in der Aufbereitung technisch kaum entfernen lasse.
Den „Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland - Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Metaboliten“ der LAWA finden Sie hier: link.euwid.de/tlzdl




