Probleme mit Überflutung: Hessen will Bibermanagement ausbauen

NABU: Biber verbessern die Wasserqualit

Hessen will Problemen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Bibers mit dem weiteren Ausbau des Bibermanagements begegnen. Das Ministerium kündigte an, das hessische Bibermanagement in naher Zukunft noch effektiver und umfassender zu gestalten. Nach Veröffentlichung der sich derzeit in Abstimmung befindlichen Biber-Billigkeitsrichtlinie werde es zukünftig auch möglich sein, landwirtschaftliche Schäden, die nachweislich durch die Bibertätigkeit entstanden sind, finanziell zu entschädigen, hieß es Anfang August seitens des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums.

Die stetig wachsende Population sei zunächst ein positiver Effekt der vielfältigen Maßnahmen zum Schutz der Natur und Gewässer. Jedoch entstünden in einigen Teilen Hessens dadurch Konflikte - landwirtschaftliche Flächen würden aufgrund von Überschwemmungen stark beeinträchtigt, und es entstünden Schäden an Pflanzen und der Wasserinfrastruktur. Das Hessische Landwirtschaftsministerium arbeitet daher an einer Entschädigungs-Richtlinie und weiteren Maßnahmen. Landwirte sollen dadurch unterstützt werden, gleichzeitig solle der Schutz der Biber als rechtlich streng geschützte Art sichergestellt werden.

Lösung auch über Flächentausch möglich

Zur Höhe der Schäden durch Biber liegen dem Land laut dem Ministerium derzeit keine belastbaren Zahlen vor. In Konfliktfällen erarbeite das Land über sein Bibermanagement zielgerichtet und auf den jeweiligen Einzelfall bezogen Lösungen mit allen Beteiligten. Zudem sei es auch möglich, dass über einen Flächentausch Lösungen im Sinne der Landwirte gefunden werden. Im Einzelfall bestehe in besonders konfliktträchtigen Fällen auch die Möglichkeit, Biber zu vergrämen. Das Landwirtschafts- und Umweltministerium erklärte aber, eine Aufnahme des Bibers in das Jagdrecht sei unter Berücksichtigung des derzeitigen europäischen und nationalen Schutzregimes aktuell nicht vorgesehen. Den Bestand des Bibers schätzt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) grob auf derzeit etwas mehr als 2.000 Tiere.

NABU: Biber verlangsamten die Fließgeschwindigkeit

„Biber sind außerordentlich nützliche Tiere, denn sie schaffen Lebensraum für viele andere Arten, verringern Überschwemmungen und verbessern die Wasserqualität“, sagte Sybille Winkelhaus vom Naturschutzbund (NABU) in Hessen. Biberdämme stauten das Wasser auf und verlangsamten damit seine Fließgeschwindigkeit. „Dadurch verweilt das Wasser länger in der Landschaft, kann nach und nach versickern und hilft dabei, die Grundwasservorräte aufzufüllen“, erklärt die Referentin für Naturschutz. Damit leisteten die Tiere einen wertvollen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz.

Für die Artenvielfalt sei der Biber ein großer Gewinn, weil er eine große Vielfalt an Gewässertypen und Strukturen schaffe, die Insekten, Amphibien, Vögel und viele weitere Arten als Lebensraum am Gewässer nur selten vorfänden. „Der Biber renaturiert für uns als Landschaftsgestalter Gewässer kostenlos und unbürokratisch“, sagte Winkelhaus. „Auf diese Weise trägt er dazu bei, rechtliche Verpflichtungen wie die EU-Wasserrahmenrichtlinie weitaus schneller und besser zu erfüllen, als dies behördliches Handeln und teure, ingenieurstechnische Maßnahmen der Kommunen und Unterhaltungsverbände jemals könnten.“

Der NABU lehne die Tötung von Bibern ausdrücklich ab, auch nicht durch eine Allgemeine Ausnahmeverordnung nach bayerischem Vorbild. „Eine Einzelfall-Entnahme im konkreten Konfliktfall ist bereits heute mit einer Ausnahmegenehmigung möglich“, sagte Winkelhaus. „Es muss dabei aber der Grundsatz gelten, dass die Biber nicht getötet, sondern beispielsweise nach Westhessen umgesiedelt werden, wo bisher noch wenige Tiere leben.“

Landwirte beklagen Probleme

Hessens Landwirte hingegen beklagen die Probleme, die das Nagetier zunehmend bereite. Vor allem die Bautätigkeit des Bibers, insbesondere das Errichten von Dämmen, führe dazu, dass angrenzende landwirtschaftliche Flächen häufig überflutet würden, erklärt der Hessische Bauernverband. „Zum Teil sogar ganzjährig“, sagte Pressesprecherin Marie-Claire von Spee. Dadurch komme es zu erheblichen Einschränkungen bei der Nutzung dieser Flächen. Ein weiteres Problem seien die Beeinträchtigung von Drainagesystemen sowie Schäden an Uferbefestigungen, die durch die Grabaktivitäten der Biber entstehen. Der Bauernverband fordert unter anderem die Erleichterung von Eingriffen in Biber-Dämme und in die Wasserstandregulierung sowie die gezielte Entnahme von Bibern bei ausbleibendem Erfolg anderer Maßnahmen.

Auch fordern die Landwirte schnelle und einfache Entschädigungszahlungen durch die Landesregierung und eine regelmäßige und kritische Erfassung der Biberbestände. Zudem wollen sie die Aufnahme des Bibers ins Jagdrecht sowie die Herabsetzung des Schutzstatus des Bibers. (EUWID/dpa)             

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