Auf dem Weg zu einem naturnaheren Zustand der Oker unternimmt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) neue Anstrengungen: Zwischen den Goslarer Ortsteilen Probsteiburg und Vienenburg startet der Landesbetrieb auf einem rund drei Kilometer langen Teilabschnitt ein umfangreiches Renaturierungsprojekt. Dabei werde der bisher strukturarme Abschnitt umfassend umgestaltet, wie der NLWKN Ende Juni mitteilte.
Bisher verläuft der Fluss in diesem Bereich nach umfangreichen Eingriffen im 20. Jahrhundert vorwiegend kanalartig, erläuterte der Landesbetrieb. Die stark vom Menschen überformte Gewässerstruktur mit zahlreichen Sohlabstürzen unterbinde Wanderbewegungen von Fischen und Kleinlebewesen – und damit die Erreichung eines der wichtigsten Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in der Region. „Wir stellen die einst natürlich gegebene Durchgängigkeit wieder her und ermöglichen Fischen und Kleinlebewesen nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder die Wanderung stromauf- und stromabwärts“, erklärte Projektingenieurin Silke Seemann von der NLWKN-Betriebsstelle Süd in Braunschweig. Das Vorhaben ziele darauf ab, bestehende Defizite bezüglich der Fauna, Gewässermorphologie und der ökologischen Durchgängigkeit zu beheben.
Insgesamt werden im Zuge der Renaturierung in den kommenden Wochen dabei elf für die Fische der Oker unüberwindbare Sohlabstürze zurückgebaut und durch Sohlgleiten ersetzt. Zudem soll ein kurzer Nebenarm entstehen. Durch den Einbau von Kiesbänken und Totholz wird wieder Strukturvielfalt und Dynamik in den Verlauf des Flusses gebracht.
Im Zuge der Planung und Vorbereitung hatte sich der Landesbetrieb nach eigenen Angaben eng mit regionalen Akteuren wie der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde der Stadt bzw. des Landkreises Goslar und dem zuständigen Unterhaltungsverband Oker abgestimmt. Die witterungsabhängigen Bauarbeiten würden voraussichtlich rund 16 Wochen andauern. Bauherr des Vorhabens ist das Land Niedersachsen, vertreten durch den NLWKN. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des sogenannten NEOG-Förderprogramms (Naturnahe Entwicklung der Oberflächengewässer) unter finanzieller Beteiligung des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie des Landes Niedersachsen. Die Ausführung der Arbeiten erfolge durch das Bauunternehmen Mittelweser Tiefbau.




