Europas größter künstlich geschaffener Seenverbund ist eröffnet. Die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke (SPD) und Michael Kretschmer (CDU), gaben ihn in Neu-Seeland am Sedlitzer See in Brandenburg Ende Juni frei. Damit verschmelzen Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Großräschener See erstmals über schiffbare Kanäle zu einem Verbund.
Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sprach von einem „historischen Meilenstein“. Die zusammenhängende Wasserfläche beträgt nach Angaben der LMBV rund 5.100 Hektar - das ist etwa halb so groß wie die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Die Seen entstanden aus gefluteten Tagebauen. Der Senftenberger See wurde schon in den 1970er Jahren eröffnet. Der Verbund soll dem Tourismus einen Schub bringen. Bisher gab es nur zwei befahrbare Wasserstraßen in der Region. Nun öffneten der Sornoer Kanal, der Rosendorfer Kanal und der Ilse-Kanal.
Sachsens Regierungschef würdigte die Leistungen der Umwandlung früherer Bergbauflächen. „Fast eine Milliarde Euro über 35 Jahre kontinuierliches Arbeiten“, sagte Kretschmer. Rund 941 Millionen Euro flossen seit Anfang der 1990er Jahre vom Bund und den beiden Ländern zur Sanierung.
Die Sanierung bietet der Region nach Ansicht der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), neue Möglichkeiten. „Durch diese Kooperationen sind neue Perspektiven für Tourismus, Wirtschaft, Natur und Klimaschutz entstanden. Und das steigert auch Lebensqualität für die Menschen vor Ort“, sagte Kaiser.
Die fünf verbundenen Seen sind über Jahrzehnte gewachsen. Der Bergbau prägte die Region über 150 Jahre. Bergleute holten nach Angaben des Tourismusverbands Lausitzer Seenland mehr als zwei Milliarden Tonnen Braunkohle aus 60 Metern und tiefer. Riesige Restlöcher blieben vom Tagebau zurück.
Das Mammutprojekt ist nicht zu Ende. Es gibt östlich weitere Seen, die perspektivisch saniert und an den Seenverbund angeschlossen werden sollen. Einige Seen liegen nach einer Rutschung teils im Sperrgebiet. Eine touristische Nutzung wird nach Einschätzung der LMBV nicht vor Mitte der 2040er Jahre möglich.
BUND fordert Überprüfung des Grundwasserabstroms des Sedlitzer Sees
Anlässlich des großen Festakts zur Freigabe des schiffbaren Fünf-Seen-Verbunds kritisierte der BUND Brandenburg den schleppenden Bau der Dichtwand am Tagebau Welzow-Süd. „Der heutige Festakt verschleiert, dass das Lausitzer Seenland nur mit hohen Kosten und laufenden Pumpenbetrieb künstlich bestehen kann. Mit einer großen PR-Aktion wird suggeriert, dass die Renaturierung der Seenkette abgeschlossen ist, obwohl der Bau der Dichtwand Welzow durch die LEAG seit Jahren verschleppt wird“, erklärte Axel Kruschat, Geschäftsführer beim BUND Brandenburg.
Der BUND Brandenburg fordert, dass der Grundwasserabstrom des Sedlitzer Sees in Richtung Nordwesten unabhängig im Rahmen eines hydrogeologischen Gutachtens überprüft wird. Das Landesbergamt dürfe Verzögerungen nicht einfach durchwinken. „Wir brauchen mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung von Auflagen für den Bergbaubetreiber und eine Festlegung, dass die LAEAG die Folgekosten für Verzögerungen zu tragen hat“, so Axel Kruschat weiter.
Nach den ausgewerteten Fortschrittsdaten kam die Dichtwand dem BUND zufolge zwischen März 2024 und Mai 2026 nur um rund 839 Meter voran. Das entspreche etwa 390 Metern pro Jahr. Damit verblieben noch rund 2,76 Kilometer Dichtwand, die noch gebaut werden müssen. Wenn es im gleichen Tempo vorangeht, würde der Bau dem BUND zufolge noch über sieben Jahre dauern. Dabei sei eine Fertigstellung bis Ende 2030 vereinbart.
Die Dichtwand sei von großer Wichtigkeit zur Stabilisierung des Lausitzer Seenlands: sie solle insbesondere den Sedlitzer See vor weiterem Grundwasserabstrom in Richtung Tagebau schützen. Der Sedlitzer See habe zwar seinen Wasserstand deutlich erhöht. Nach Auffassung des BUND Brandenburg ist das jedoch keine Entwarnung: Der Anstieg sei wesentlich durch gesteuerte Zuführungen erreicht worden. Zugleich zeigten die LMBV-Jahresberichte steigende Verluste an angrenzende Grundwasserkörper, Stützwasserabgaben und eine negative Wasserbilanz im Jahr 2024.
(EUWID/dpa)




