Stettiner Haff ist „Bedrohter See des Jahres 2024“

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Der Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Living Lakes haben das Stettiner Haff zum „Bedrohten See des Jahres 2024“ ernannt. Das Stettiner Haff, Teil des Oderdelta, erstreckt sich auf einer Fläche von 70.000 ha über beide Seiten der deutsch-polnischen Grenze und spielt eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der Artenvielfalt in der südlichen Ostsee, berichtet der GNF in einer Mitteilung. Es gilt als eines der wenigen ökologisch weitgehend unberührten Naturgebiete Mitteleuropas und ist ein Laichgebiet für Süßwassertiere. Als strategischer Kreuzungspunkt des East Atlantic Flyway sei das Oderdelta von entscheidender Bedeutung für Zugvögel.

Das Fischsterben in der Oder von 2022 werfe ein Schlaglicht auf ein lange bestehendes Problem. Seit Jahrzehnten sei das Stettiner Haff durch die erhebliche Verschmutzung durch die umliegenden Industriebetriebe und die Nährstoffeinträge aus industriellen und landwirtschaftlichen Aktivitäten in der Umgebung und flussaufwärts bedroht, hinzu komme zunehmender Stress durch den Klimawandel. In den letzten Jahren habe der Schiffsverkehr in dem Gebiet zugenommen.

Um den ökologischen Zustand des Oderdeltas und der Haffgewässer kurzfristig zu verbessern, sind laut GNF sofortige und umfassende Maßnahmen sowohl von Deutschland als auch von Polen erforderlich. Es müsse alles getan werden, um die derzeitige Überlastung der Gewässerökosysteme zu stoppen und die Regeneration der Ökosysteme zu ermöglichen. Die Umsetzung der nationalen und europäischen Gesetzgebung müsse sichergestellt werden, insbesondere der Flora-Fauna-Habitat-, der Wasserrahmen- und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie.

Ein wichtiger Schritt für den nachhaltigen Schutz und die Entwicklung des Oderdeltas sei eine seit langem ausstehende grenzüberschreitende Strategie zwischen Deutschland und Polen zur natürlichen Regeneration des Haffs. Das sei entscheidend für die Wiederbelebung des Haffs als wichtiger Lebensraum für Wanderfische wie Stör und Maräne sowie für Übergangsbiotope als Lebensraum für prioritär geschützte Arten. Fischereiverbotszonen und ein Stör-Aktionsplan für Deutschland und Polen müssten die Aktivitäten zur Wiederherstellung der Fischbestände wichtiger Arten wie des Atlantischen Lachses, des Baltischen Störs und des Aals begleiten. Eine weitere wichtige Maßnahme sei die Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts in der Aue.

Das Stettiner Haff ist das erste europäische Feuchtgebiet, das den Titel erhält. Der auf der Grenze zwischen Peru und Bolivien in den Anden liegende Titicacasee war „Bedrohter See des Jahres 2023“.

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