UBA: Wasserfußabdruck Deutschlands um ein Vielfaches höher als direkte Nutzung

Ressourcenbericht: Fußabdruck von 6.633 Litern pro Kopf und Tag

Mit 6.633 Litern pro Kopf und Tag war der Fußabdruck für blaues und grünes Wasser im Jahr 2021 um ein Vielfaches höher als die direkte heimische Wassernutzung in deutschen Haushalten von knapp 130 Litern pro Kopf und Tag. Das geht aus dem Ressourcenbericht für Deutschland 2022 hervor, den das Umweltbundesamt (UBA) vorgelegt hat. Mit 88 Prozent ging der Großteil des deutschen Wasserfußabdrucks über indirekten Import auf den Verbrauch im Ausland zurück, während nur zwölf Prozent einen inländischen Ursprung hatten. Grünes Wasser hatte den größten Anteil am deutschen Wasserfußabdruck. Mit 22 Mrd. m3 entfielen nur elf Prozent auf blaues Wasser.

Sogenanntes „blaues Wasser“ umfasst entnommenes Oberflächenwasser oder Grundwasser – beispielsweise für Bewässerung. „Grünes Wasser“ ist Regenwasser, das in der obersten Bodenschicht gespeichert ist, durch Pflanzen aufgenommen wird und verdunstet, erläutert das UBA. „Graues Wasser“ wiederum ist die fiktive Wassermenge, die zur ausreichenden Verdünnung von verschmutztem Wasser benötigt würde. Im Jahr 2021 betrug die Summe aus dem blauen und grünen Wasserfußabdruck Deutschlands den Angaben zufolge 201 Mrd. Kubikmeter – ein Plus von 21 Mrd. Kubikmeter seit 2011. Der im Frühjahr ebenfalls vom UBA veröffentlichte Bericht „Konzeptionelle Weiterentwicklung des Wasserfußabdrucks“ zu einem Forschungsvorhaben des Fachgebiets für Sustainable Engineering der TU Berlin war aufgrund modellhafter Berechnungen bereits zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.         .

Bei den indirekten Importen von blauem und grünem Wasser unterscheide sich das Verhältnis je nach Ursprungsland. In Fällen mit mehr blauem Wasser würden vorrangig bewässerungsintensive landwirtschaftliche Produkte importiert. Das gelte beispielsweise für Güter aus Spanien, wo aufgrund geringerer Niederschläge Bewässerung die Regel ist. Weltweit stammten sogar etwa 40 Prozent aller Lebensmittel von bewässerten Flächen.

Indirekte Wasserimporte aus China leisten den größten Beitrag

Den größten Beitrag zu Deutschlands blauem Wasserfußabdruck leisteten indirekte Wasserimporte aus China mit 2.190 Mio. m3 – hauptsächlich durch die Produktion von Weizen und Reis für den deutschen Konsum, heißt es in dem Bericht. Mit 27 Prozent hatte blaues Wasser an den indirekten Wasserimporten aus China einen wesentlich größeren Anteil als am inländischen Wasserfußabdruck mit fünf Prozent.

Andere große Beiträge zum blauen Wasserfußabdruck stammten den Angaben zufolge aus Spanien mit 2.097 Mio. m3, Indien mit 1.413 Mio. m3 und den USA mit 1.203 Mio. m3. Die dafür hauptverantwortlichen Produkte seien in Spanien Obst und Gemüse, in Indien Zuckerrohr bzw. Zuckerrüben und in den USA wasserintensive Ölsaaten.

Lokale Wasserverfügbarkeit
von Bedeutung

Bei der Frage nach den Auswirkungen des Imports von wasserintensiven Gütern auf die Ursprungsländer sei neben dem Ausmaß der indirekten Wasserimporte auch die von der Klimazone abhängige lokale Wasserverfügbarkeit von Bedeutung. Dies betreffe vor allem die blauen Wasserflüsse, da nur blaues Wasser direkt der menschlichen Wasserversorgung dient. Seine Übernutzung – beispielsweise für Exportgüter – könne schwerwiegende Konsequenzen für die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort haben.

Im Jahr 2021 importierte das wasserreiche Land Deutschland dem Bericht zufolge auch Güter aus wasserknappen Regionen. Der deutsche Konsum leistete einen Beitrag zum Wasserstress insbesondere in den Wassereinzugsgebieten des Nil sowie des Ganges und des Indus. Darüber hinaus stammten den Angaben zufolge bedeutende Mengen des deutschen blauen Wasserfußabdrucks aus den Einzugsgebieten des Mississippi, des Yangtse und des Paraná mit zwei Prozent, 1,9 Prozent bzw. 0,6 Prozent. Dort herrsche aber kein Wasserstress, so dass diese Importe weniger kritisch seien. Der Wasserfußabdruck und sein Beitrag zu lokaler Wasserknappheit seien damit wichtige Indikatoren für Umweltschäden im Ausland durch Importe nach Deutschland....

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