Wasserwirtschaftliches Labor von EGLV und Ruhrverband wird umfassend modernisiert

Neue Labore auch für Untersuchungen von Spurenstoffen

Das wasserwirtschaftliche Kooperationslabor der Wasserverbände Ruhrverband und Emschergenossenschaft/Lippeverband (EGLV) in Essen wird umfassend modernisiert. Prof. Norbert Jardin, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, und Frank Obenaus, Technikvorstand von EGLV, gaben gemeinsam den offiziellen Startschuss für das umfangreiche Projekt, wie der Ruhrverband Ende Januar mitteilte. Die Bauarbeiten würden auf rund 23 Millionen Euro veranschlagt.

Mit dem Umbau gehe auch die teilweise Umwidmung einiger Laborräume und die Schaffung neuer Labore einher, in denen künftig beispielsweise Untersuchungen von Spurenstoffen und Transformationsprodukten im Zusammenhang mit der Einführung einer vierten Reinigungsstufe auf Kläranlagen vorgenommen werden könnten. Für abwasserepidemiologische Untersuchungen, Analysen zu Antibiotikaresistenzen und gezielte Nachweise von Krankheitserregern und ökotoxikologischen Effekten wird den Angaben zufolge ein Labor der Sicherheitsstufe 2 weiter ausgebaut. Damit sehen sich die Betreiber Ruhrverband und EGLV für künftige Anforderungen, wie sie etwa durch die Überführung der neuen Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) in nationales Recht auf das Labor zukommen könnten, gut aufgestellt.

In zwei Bauabschnitten von jeweils rund einem Jahr Bauzeit sollten zudem unter anderem die elektrischen Anlagen erneuert, eine LED-Beleuchtung installiert und die IT-Infrastruktur überarbeitet werden. Ein besonderes Augenmerk gelte der Technikzentrale, die durch den Austausch der Zu- und Abluftaggregate, den Einbau einer Energierückgewinnung, die Nutzung von Wärmepumpen und die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach energetisch optimiert werde.

Arbeit mit geringeren Probenmengen und weniger gefährlichen Materialien

Um den Anforderungen folgend mit geringeren Probenmengen und weniger gefährlichen Materialien zu arbeiten, würden die bisher über 70 Digestoren durch neue, energiesparende Geräte mit besseren Steuerungsmöglichkeiten ersetzt und zugleich auf weniger als 50 Stück reduziert. Dies ermögliche einen nachhaltigeren Laborbetrieb mit geringeren Energie- und Wartungskosten.

Das fünfstöckige Gebäude des Kooperationslabors wurde in den Jahren 1995/96 auf dem Gelände der Hauptverwaltung des Ruhrverbands in Essen errichtet und beherbergte ursprünglich nur das Labor des Ruhrverbands. Im Jahr 2008 erfolgte die Kooperation mit dem Wasserverband Emschergenossenschaft/Lippeverband (EGLV), der mit seiner Hauptverwaltung auf der gegenüberliegenden Seite der Kronprinzenstraße ansässig ist, heißt es weiter. Die technischen Anlagen stammten zum größten Teil noch aus der Anfangszeit und seien bis heute im Dauerbetrieb. Insbesondere die Lüftung habe ihre technische Nutzungsdauer erreicht. Zudem haben sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten die Anforderungen an das Labor und dessen Ausrichtung stark geändert, so die Verbände Die nun anstehenden Investitionen in Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen seien daher unumgänglich.

Leiter des Kooperationslabors ist seit Oktober 2023 Dr. Jochen Türk, der an der Universität Duisburg-Essen einen Lehrauftrag für Wasseranalytik und Oxidative Prozesse hat. Am Eingang zum Laborgebäude erinnert eine Gedenktafel an Dr. Hermann Bach, den früheren Leiter der chemischen Abteilung der Emschergenossenschaft, der 1935 wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Amt gejagt und 1944 in Gestapo-Haft ermordet wurde.      

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