Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat am Standort Stavenhagen ihre neue Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) eingeweiht. Damit hat das Helmstedter Unternehmen die dritte von fünf genehmigten KVA in Betrieb genommen. Zur Einweihung seien neben Vertretern kommunaler Partner, beteiligter Behörden und Unternehmen auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gekommen, teilte EEW mit.
Wie mehrfach berichtet, verfügt die etwa 63 Mio. Euro teure Anlage über eine Behandlungskapazität von bis zu 160.000 Tonnen Klärschlamm-Originalsubstanz pro Jahr. Sie ist so dimensioniert, dass sie sämtliche kommunalen Klärschlämme in Mecklenburg-Vorpommern thermisch verwerten kann. Aus dem Schlamm können jährlich 15.000 Tonnen phosphathaltige Asche gewonnen werden. Diese soll zunächst zwischengelagert werden.
Ab 2026 soll Fernwärme ausgekoppelt werden
Ein wesentlicher Mehrwert des Standorts liege in der intelligenten energetischen Nutzung, erklärte EEW. Die bei der Verbrennung entstehende Abwärme werde künftig als Fernwärme in das Wärmenetz der Stadt Stavenhagen eingespeist. Die Leitungsbauarbeiten zur Verbindung der KVA mit dem Fernwärmenetz sowie der Ausbau des Fernwärmenetzes in der Stadt laufen bereits, hieß es. Ab 2026 soll Fernwärme bereitgestellt werden.
„Mit dieser Anlage entziehen wir der Biosphäre dauerhaft umwelt- und gesundheitsrelevante Schadstoffe und schaffen gleichzeitig die Voraussetzung für die Rückgewinnung von Phosphor“, sagte Timo Poppe, CEO der EEW-Gruppe. Das Unternehmen weist darauf hin, dass der Anteil der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Entsorgungswegen 2023 bei knapp 57 Prozent lag, während er bundesweit auf 13 Prozent gesunken ist. Die neue Anlage schaffe die Grundlage für einen ökologisch konsequenten Kurswechsel, indem sie dafür sorgt, dass keine Schadstoffe, wie etwa Mikroplastik, Arzneimittelrückstände und Hormone, mehr auf die Felder gelangen. Dadurch verringere sich das Risiko für Böden, Grundwasser und Nahrung.
Umweltminister Backhaus unterstrich, dass aufgrund der gestiegenen Baukosten nicht alle geplanten und erforderlichen Anlagenkapazitäten zur Verbrennung von Klärschlamm in Deutschland umgesetzt würden. Diese seien zur Umsetzung des Paradigmenwechsels in der Klärschlammbewirtschaftung jedoch zwingend notwendig.
Backhaus: Klärschlamm gehört nicht auf die Äcker
„Die Zeiten, in denen Klärschlamm noch großflächig auf Feldern ausgebracht wurde, müssen der Vergangenheit angehören“, sagte Backhaus. Die thermische Verwertung sei heute ein zentraler Baustein einer sicheren, umweltgerechten und ressourcenschonenden Entsorgung und Voraussetzung dafür, Verfahren zur Rückgewinnung des Phosphors aus Klärschlammaschen bis zur großtechnischen Anwendbarkeit zu entwickeln. „Und genau hier in Stavenhagen ist nun ein wichtiger Baustein für diese Entwicklung in Betrieb.“




