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Behörden setzen beim Hochwasserrisiko-Management kaum auf naturbasierte Lösungen

Behörden setzen beim Hochwasserrisiko-Management kaum auf naturbasierte Lösungen
Flusslandschaft.
23.07.2020 − 

Beim Hochwasserrisiko-Management vertrauen die Behörden lieber technischen Maßnahmen als der Renaturierung von Flussauen oder der Wiederanbindung saisonaler Bäche. Das hat eine Analyse der Ruhr-Universität Bochum (RUB), ergeben. Das Team von Prof. Christian Albert, des Inhabers des Lehrstuhls für Umweltanalyse und -planung in metropolitanen Räumen am Geographischen Institut der RUB, veröffentlichte die Ergebnisse in der Zeitschrift Environmental Science and Policy vom 16. Mai 2020.

Demnach lassen sich die Folgen von Hochwasser sich nicht nur mit Deichen, Poldern und Rückhaltebecken mindern. Auch naturbasierte Lösungen (Nature-Based Solutions – NBS) tragen zum Wasserrückhalt bei und schützen so vor seiner zerstörerischen Wirkung. Trotzdem machen sie nur einen geringen Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen in Hochwasserrisiko-Managementplänen der Bundesländer aus.

Bessere Gewässerqualität und mehr Artenschutz            

NBS können nicht nur vor Hochwasser schützen: Man hofft durch Maßnahmen wie die Renaturierung von Flussauen und die Wiederanbindung saisonaler Bäche auch, dass sich die Wasserqualität verbessert und man die Artenvielfalt fördern kann. Die europäische und deutsche Politik haben, so die RUB, das Potenzial von NBS erkannt und in ihren Richtlinien verankert, etwa in der EU-Hochwasserrichtlinie.

Das Forschungsteam des Geographischen Instituts wollte wissen, inwieweit diese Maßgaben bereits in Hochwasserrisiko-Managementplänen der Behörden aufgegriffen werden, die für jedes Flusseinzugsgebiet erstellt werden müssen. Eine Dokumentenanalyse gab Aufschluss darüber, wie hoch jeweils der Anteil von NBS in Plänen ausgewählter Bundesländer ist. Außerdem wollten die Forscher ergründen, welche Faktoren den vorgefundenen Umfang erklären können.

19 Pläne wurden analysiert

„Für die Analyse haben wir Hessen, Niedersachsen und Sachsen ausgewählt, weil sich die drei Bundesländer wesentlich in ihrer Wasserwirtschaftsverwaltung, ihrer Form der Regionalplanung und Betroffenheit von vergangenen Hochwasserereignissen unterscheiden“, erklärt Erstautor Mario Brillinger. Die Dokumentenanalyse umfasste 19 Hochwasserrisiko-Managementpläne, die für 2012 bis 2015 erstellt worden waren.

Die Studie zeigt, dass NBS nur sehr selten in diesen Plänen aufgegriffen werden: Sie machen nur neun Prozent aller insgesamt 4.282 vorgeschlagenen Maßnahmen aus. Stark vertreten sind dagegen mit 45 Prozent Maßnahmen der Verhaltens- und Risikovorsorge wie die Förderung eines verstärkten Risikobewusstseins, die Aktualisierung von Alarm- und Einsatzplänen, das Katastrophenschutzmanagement oder die Veröffentlichung von Hochwassergefahrenkarten. Auch technische Schutzmaßnahmen sind mit rund 41 Prozent stark vertreten.

Hessen schlug die meisten, Niedersachsen die wenigsten NBS vor

Hessen schlug die meisten NBS vor und bevorzugte dabei Renaturierungsmaßnahmen des Uferbereichs und Maßnahmen der Flussauenentwicklung. Niedersachsen zeigte die wenigsten NBS und präferierte dabei vor allem die Wiederherstellung von natürlichen Rückhalteflächen. In Sachsen konnten die Forscher relativ häufig den Rückbau von Wehren als NBS klassifizieren.

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