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Neubauquartier in Hamburg Barmbek soll Abwasserwärme aus dem Siel nutzen

Neubauquartier in Hamburg Barmbek soll
Quelle: Hamburg Energie/Ulrich Perrey
09.02.2021 − 

Das Immobilienunternehmen Frank und Hamburg Energie setzen in einem Neubauquartier in Hamburg Barmbek erstmals die Nutzung von Abwasserwärme aus dem Siel um. Mittels Wärmetauschern werde dem Abwasser seine Restwärme entzogen, so dass zukünftig 149 Miet- und Eigentumswohnungen in der Dieselstraße regenerativ mit Energie für Heizung und Warmwasser versorgt werden können, heißt es in einer Mitteilung des Versorgers.

„Wir haben die Versorgung in unserem Neubauquartier so geplant, dass die Mieter und Eigentümer weitestgehend energieautark wohnen können“, erklärt Maren Grohs, Energieberaterin bei Frank. Neben einer Photovoltaik-Anlage auf den Dächern, die den Bewohnern Quartiersstrom liefere, liege das zentrale Element der Wärmeversorgung unter dem Asphalt der Dieselstraße.

Hamburg Energie montiere im Auftrag von Frank 53 Wärmetauscher-Elemente mit je zwei Metern Länge auf einer Strecke von 106 Metern unterirdisch innen an die Siel-Sohle. Abwasserwärmetauscher sind doppelschalige Druckbehälter aus Edelstahl, durch die ein separater Wasserkreislauf zirkuliert. Fließt Abwasser darüber, wird die darin noch enthaltene Wärme auf das Wasser im Wärmetauscher übertragen. Diese wird zur mit Ökostrom betriebenen Wärmepumpe in der Heizzentrale geleitet, um hier auf die Vorlauftemperatur der Heizung angehoben und so ins lokale Wärmenetz des Quartiers eingespeist zu werden, heißt es. Die Temperatur des Abwassers betrage in der Kanalisation zwischen 12 und 20 Grad Celsius.

Wärmetauscher-Module werden im entleerten Siel bei Trockenwetter verlegt

Das Verlegen der Wärmetauscher-Module erfolge im entleerten Siel bei Trockenwetter. Währenddessen werde das Abwasser über eine oberirdische Pumpleitung umgeleitet. Nach Ende der Verlegearbeiten im Sielinneren werde das Abwasser wieder durch das Siel geleitet. Maßnahmen zur Vorbereitung der Arbeiten im Siel sind laut dem Projektsteckbrief die Installation der Absperrblase in Kanal, das Aufstellen der Abwasserpumpe, das Verlegen einer oberirdischen Pumpleitung zur Überbrückung des Sielabschnitts auf ca. 200 Metern Länge. Errichtet würden neben einer Rückstausicherung auch Hausanschlussabdichtungen und –umleitungen. Dabei seien die Installationen mit der Kanalwand verbunden und überflutungssicher, so sei jederzeit das sofortige Verlassen des Siels möglich, beispielsweise bei Starkregen.

„Aus ökologischer Sicht ist Abwasser insbesondere im verdichteten städtischen Raum eine wertvolle Ressource, die nun mithilfe spezieller Wärmetauscher erschlossen wird“, so Frank Boehnke, Produktmanager Wärme & Contracting bei Hamburg Energie. Durch die enge Kooperation mit Hamburg Wasser bei der Erschließung dieser neuen Energiequelle habe der Versorger Expertise in diesem Bereich aufgebaut, um zukünftig weitere Abwasserwärmeprojekte zu realisieren.

Wohnanlage seit Ende 2020 in Bau

Durch den Einsatz der Abwasserwärme sollen jährlich 45 Tonnen CO2 im Vergleich zur herkömmlichen fossilen Fernwärme eingespart werden. Die Bewohner sollen die Wärme zu einem Preis beziehen, der dem der Fernwärme gleiche. Die Wohnanlage im KfW-40 Effizienzstandard befinde sich seit Ende 2020 im Bau. Etwa zum Jahreswechsel 2022/2023 sollen die Bewohner die 74 Miet- und 75 Eigentumswohnungen beziehen können.

Bereits Mitte 2019 wurde im Hamburger Stadtquartier Jenfelder Au das Abwasserkonzept Hamburg Water Cycle in Betrieb genommen. Das Konzept kombiniert nach Angaben von Hamburg Wasser die Abwasserreinigung und Energiegewinnung des Wohnquartiers. U.a. wird dasbei das Schwarzwasser zusammen mit Co-Substrat in einem Fermenter vergärt, wodurch Biogas entsteht, das dann in einem Blockheizkraftwerk für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt wird (EUWID 26.2019).

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