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Studie: Bisher in Gewässern gemessene Mikroplastik-Konzentrationen sehr ungenau

Studie: Bisher in Gewässern gemessene Mikroplastik-Konzentrationen sehr ungenau
Messwerte sind mit bis zu 200 %-iger Unsicherheit behaftet
15.03.2021 − 

Die bisher in Gewässern gemessenen Mikroplastik-Konzentrationen weisen vermutlich eine sehr hohe Unsicherheit auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Wissenschaftler-Teams unter der Federführung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht – Zentrum für Material und Küstenforschung (HZG), das Mikroplastikpartikel im Elbewasser bei Cuxhaven nachgewiesen hat. Die Methodik zur Darstellung und Berechnung der Ergebnisse sei auf viele andere Studien übertragbar, teilte das HZG mit. Die Studie sei im Journal of Hazardous Materials veröffentlicht worden.

Die Verfahren, die bislang zur Beprobung von Partikeln eingesetzt wurden, brächten oft das Problem mit sich, dass die eingesetzten Filter zu schnell verstopfen und nur geringe Wasservolumina beprobt werden können, erklärte das HZG. Dadurch werde die Repräsentativität der Ergebnisse beeinträchtigt. Deshalb wurden die Proben in der aktuellen Studie - zusätzlich zu den genommenen Schöpfproben - erstmals mit Durchflusszentrifugen und Hydrozyklonen als alternative Techniken gewonnen. Im Ergebnis haben die Wissenschaftler zwischen 200 und 2.100 Partikel Mikroplastik pro Kubikmeter Wasser gefunden.

In der Studie haben die Wissenschaftler erstmals den wichtigsten Leitfaden zur Erhebung von Messunsicherheiten für die Auswertung der Untersuchungen angewendet, und zwar den Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement des Internationalen Büros für Maß und Gewicht (BIPM), der weltweit wichtigsten Behörde für „Maß und Gewicht“, berichtete das HZG weiter. Sie diene als Wächter über das Internationale Einheitensystem und alle Arten von Messungen. „Jede Art von Messung ist mit einer Unsicherheit behaftet, die zusammen mit dem gemessenen Wert als sogenannte Messunsicherheit angegeben wird“, erklärte Lars Hildebrandt, Umweltchemiker und Erstautor der Studie. Viele bereits veröffentlichte Studien zu Mikroplastikpartikeln wendeten die einschlägigen Leitfäden jedoch nicht an, wodurch in der Öffentlichkeit der Eindruck einer falschen Genauigkeit entstehen könne.

Auf die Ergebnisse aus der Elbe angewendet, zeige sich in der sogenannten Unsicherheitsbetrachtung, dass die Messwerte teilweise mit extrem hohen Unsicherheiten von etwa 25 Prozent bis zu 200 Prozent behaftet sind, machte das HZG deutlich. „Die Hauptquelle dafür ist bei uns und auch bei allen anderen Studien: Die Verteilung der Mikroplastikpartikel im Elbwasser ist nicht gleichmäßig - die Partikel verhalten sich fundamental anders als gelöste Substanzen“, erklärte Daniel Pröfrock, Leiter der Abteilung Anorganische Umweltchemie am HZG. Deshalb müssten Forscher die Messunsicherheit, die sich über die Inhomogenität hinaus auch aus dem verwendeten Probenahme- und Analyseverfahren ergebe, adäquat berechnen und bei der Veröffentlichung der Endergebnisse berücksichtigen.

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