Über Planungen im Rahmen der Interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft) hat der Erftverband informiert. Zur Realisierung von weiteren Hochwasserrückhaltebecken (HRB) stehe der Erftverband in engem Austausch mit den Landkreisen und der Bezirksregierung Köln, um die Planungs- und Genehmigungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes von Mitte Juni.
So werde der vom Bleibach durchflossene künstliche Kommerner Mühlensee, der schon mehrfach von Hochwasser betroffen war, in ein Hochwasserrückhaltebecken ohne Dauerstau umgestaltet. Mit dem 7,5 m hohen Damm werde auf einer Fläche von rund 25.000 m² ein Rückhaltevolumen von zirka 95.000 m³ geschaffen. Das Projekt befinde sich im Genehmigungsverfahren. Baubeginn sei voraussichtlich Ende 2025, die geplante Fertigstellung Ende 2026.
Im Rotbachtal zwischen Zülpich-Schwerfen und Mechernich-Eicks werde ein neues HRB mit einem Hochwasserrückhalteraum in der Größenordnung von 229.000 m³ zum Schutz der Ortslagen unterhalb projektiert. Dazu solle ein etwa 10 m hohes Dammbauwerk errichtet werden, vor dem der Rotbach im Hochwasserfall aufgestaut und der unterwasserseitige Abfluss auf ein schadloses Maß gedrosselt wird. Zu Beginn des Jahres 2024 starteten die Kartierarbeiten, um das faunistische Artenspektrum des Rotbachtals zu ermitteln. Die gewonnenen Erkenntnisse dienten im weiteren Projektverlauf als Grundlage für planerische Entscheidungsprozesse und für die Planung der notwendigen Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen.
Ausschreibung für HRB Möschemer Mühle
Am unteren Ausgang des Eschweiler Bachtals könne durch einen Talschluss in Form eines Erddammes ein Rückhaltevolumen von etwa 500.000 m³ geschaffen werden, wodurch die Abflussspitzen des Eschweiler Baches, der zirka 500 m weiter östlich in die obere Erft mündet, erheblich gekappt werden könnten. Die fachliche Herausforderung des Projektes HRB Möschemer Mühle bestehe darin, über die Abflussregulierung eines Nebengewässers, des Eschweiler Bachs, eine maximal mögliche Reduktion von Abflussspitzen im Hauptgewässer, der Erft, zu erzielen. Erste Voruntersuchungen des Erftverbandes zeigten positive Effekte. Für das HRB Möschemer Mühle sei ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Verfahrensführende Behörde ist die Bezirksregierung Köln. Der Erftverband schreibe derzeit die Planungsleistungen europaweit aus.
HRB Schweinheim projektiert
Unterstützend zu den Planungen des Betreibers der Steinbachtalsperre projektiere der Erftverband am Sürstbach das HRB Schweinheim oberhalb der gleichnamigen Ortschaft im Stadtgebiet von Euskirchen, heißt es weiter. Das HRB Schweinheim soll zusätzlichen Rückhalt von maximal 440.000 m³ schaffen, um den gesamten Verlauf des Orbachs und auch den Unterlauf der Swist im Hochwasserfall zu entlasten. Erste liegenschaftliche Abstimmungen seien bereits erfolgt.
Hochwasserabschlag in den Zülpicher Wassersportsee
Am Zülpicher Wassersportsee werde zwischen den Zülpicher Ortslagen Floren und Lövenich am Vlattener Bach ein zirka 140 m langer Hochwasserabschlag in den Wassersportsee gebaut, wodurch auf einer Staufläche von rund 83 ha ein Retentionsvolumen von etwa 800.000 m³ zum Hochwasserrückhalt genutzt werde. Der Baubeginn erfolgte im Dezember 2024; der erste Bauabschnitt sei bereits abgeschlossen. Die Fertigstellung des Abschlagbauwerkes sei für Ende 2025 geplant.
Geplant sei das HRB Schwerfen. Die Vorzugsplanung sehe vor, den Damm an eine in das Tal vorspringende Kuppe anzuschließen, wodurch die bestehende Topographie ausgenutzt werde. In den Damm wird ein Auslassbauwerk integriert, in dem ein Ökodurchlass, der Betriebsauslass und die Hochwasserentlastungsanlage vereint sind. Die Einreichung der Planfeststellungsunterlagen sei für Ende 2025 geplant.
Zweite Bürgerworkshop-Serie gestartet
Der Erftverband betont, dass die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entscheidend für den Erfolg eines interkommunalen Hochwasserschutzprojekts sei. Über 80 Workshops hätten bislang Transparenz in den Aktivitäten im lokalen und interkommunalen Hochwasserschutz geschaffen. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten bereits durch aktive Teilnahme mit zahlreichen Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Schutzmaßnahmen beigetragen, die von den zuständigen Fachbüros ausgewertet und in das Kartensystem "WebGIS" eingepflegt wurden. In einigen Kommunen habe vor Kurzem die zweite Workshop-Serie begonnen, bei der die Maßnahmen vor der Finalisierung der kommunalen Konzepte vorgestellt würden.
Der Erftverband hat sich den Angaben zufolge nach der Flutkatastrophe 2021 mit Vertretenden aus Kreisen und Kommunen im Erft-Einzugsgebiet zur Interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft zusammengeschlossen, um den Hochwasserschutz in der Region gemeinsam zu stärken.




