Forschungsteam zeigt Schritte zu einer gelungenen Renaturierung auf

Vorteile für Wasserreinhaltung und Hochwasserschutz

Die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur bietet gute Chancen, im Bereich Renaturierung voranzukommen. Fachleute von drei deutschen Politikberatungsgremien plädieren im Fachjournal „Restoration Ecology“ nachdrücklich dafür, diese Möglichkeiten auch zu nutzen, teilte das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) mit. Das Team, zu dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UFZ gehören, hat dafür fünf Erfolgsfaktoren identifiziert. Neben dem Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) waren den Angaben zufolge auch der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen sowie der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beteiligt.

So sei erstens die Einstellung gegenüber Renaturierungsmaßnahmen und Landschaftswandel entscheidend. „Wir brauchen die Unterstützung der Landnutzer, aber auch die der Politik, der Wirtschaft und der breiten Öffentlichkeit“, sagte Elisabeth Marquard. Hierfür sei es wichtig, transparent zu kommunizieren, welche Chancen und Herausforderungen mit Renaturierungsprojekten einhergehen können. Auch seien solche Projekte eher erfolgreich, wenn sich Bürger frühzeitig über Planungsprozesse informieren und an diesen beteiligen könnten. Das UFZ verweist darauf, dass in nationalen Wiederherstellungsplänen alle Mitgliedstaaten festlegen müssen, wie sie die in der Verordnung formulierten Ziele erreichen wollen. Den Entwurf dafür müssen sie bis zum 1. September 2026 bei der EU-Kommission vorlegen.

Auf qualitative und quantitative Renaturierungsziele verständigen

Zweitens gelte es, sich in jedem EU-Land auf qualitative und quantitative Renaturierungsziele zu verständigen. Denn die EU-Verordnung enthalte zwar durchaus Vorschriften darüber, was etwa in Wäldern, auf Landwirtschaftsflächen oder in Städten erreicht werden soll. Jeder Mitgliedstaat müsse aber selbst festlegen, wo genau in welchem Zeitraum welche konkreten Maßnahmen erfolgen sollen. Dabei könnte es beispielsweise darum gehen, Wälder noch konsequenter zu naturnäheren Mischbeständen umzubauen, auf Ackerflächen mehr Hecken zu pflanzen oder urbane Grünflächen biodiversitätsfördernd anzulegen und zu pflegen. Bei der Auswahl von Renaturierungsgebieten sei darauf zu achten, dass sie möglichst untereinander oder mit bereits bestehenden Flächen von hohem Naturschutzwert verbunden sind, damit insgesamt ein größeres Netzwerk von Lebensräumen entsteht.

Maßnahmen zur Renaturierung und andere Nutzungsinteressen besser abstimmen

Drittens wäre es wichtig, die Maßnahmen zur Renaturierung und andere Nutzungsinteressen besser abzustimmen sowie viertens unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen. „Bei diesen beiden Punkten geht es um die Frage, wie man großflächige Renaturierungen am besten organisiert“, erklärte UFZ-Umweltrechtler Moritz Hermsdorf, der auch beim SRU tätig ist. „Außerdem ist es nötig, schädigende Landnutzungspraktiken einzudämmen und Erreichtes abzusichern.“ Dazu müssten teilweise rechtliche Vorgaben angepasst werden, um beispielsweise den Flächenerwerb für die öffentliche Hand zu erleichtern oder die Bedingungen für langfristige vertragliche Vereinbarungen für Renaturierungsmaßnahmen auf Privatflächen zu verbessern. In entsprechenden Verträgen erklärten sich Landnutzer oder Besitzer bereit, die nötigen Maßnahmen entweder selbst durchzuführen oder zu dulden.

Freiwillige Renaturierungsmaßnahmen für Landnutzer attraktiver machen

Entscheidend wäre fünftens, freiwillige Renaturierungsmaßnahmen für Landnutzer attraktiver zu machen. Das ist Marquard zufolge vor allem eine Frage der finanziellen Unterstützung. Den größten Hebel böten hier Zahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Auch gelte es, neue Wertschöpfungsquellen zu erschließen. So gibt es bereits Pilotprojekte, in denen Pflanzen aus wiedervernässten Mooren und Feuchtwiesen als nachwachsende Rohstoffe genutzt werden. Der Versandhändler Otto habe zum Beispiel für seine Waren eine Verpackung entwickelt, die zu zehn Prozent aus Sauergräsern und Binsen von Renaturierungsflächen besteht.

Eine Region kann von einer gelungenen Renaturierung stark profitieren

Eine erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz für Renaturierung lasse sich häufig mit wirtschaftlichen Argumenten erreichen – aber nicht nur. So seien wiederhergestellte Ökosysteme in der Regel widerstandsfähiger gegen den Klimawandel, und sie sorgten für Wasserreinhaltung und Hochwasserschutz. Auch mit einem höheren Erholungswert könnten sie oft punkten. "Wir müssen klar machen, dass eine Region von einer gelungenen Renaturierung stark profitieren kann", betonte Marquard.

Wiederherstellungsverordnung wird derzeit wieder in Frage gestellt

Gerade in der aktuellen politischen Situation halten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen das für besonders wichtig. Denn noch sei keineswegs sicher, dass die neuen EU-Vorschriften ihr Potenzial zum Schutz der Natur auch voll entfalten können. In einigen politischen Kreisen werde die Wiederherstellungsverordnung derzeit wieder in Frage gestellt, erklärte UFZ-Agrarökologe Prof. Josef Settele, Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen. Das hält er für einen schweren Fehler: Die Chance, über diese Verordnung etwas für die biologische Vielfalt Europas und gleichzeitig auch für nachhaltige landwirtschaftliche Produktionsbedingungen zu erreichen, dürfe man nicht verpassen. Biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit seien unverzichtbar, auch für anhaltend gute wirtschaftliche Bedingungen in der EU. 

Die Publikation „Underpinning the EU Nature Restoration Regulation: Five success factors for effective measures in the Member States. Restoration Ecology“ finden Sie hier: link.euwid.de/nu6cy

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