Fraunhofer Umsicht: Betonrohre ab einer Nennweite von 400 mm Innendurchmesser vorteilhafter als Kunststoffrohre

Ökobilanzierung zu Entwässerungssystemen

Betonrohre ab einer Nennweite von 400 mm Innendurchmesser sind ökologisch vorteilhafter als Kunststoffalternativen. Der Unterschied zwischen den Werkstoffen im kleinen Nennweitenbereich von 300 mm Innendurchmesser ist dagegen nur gering – zu diesem Ergebnis kommt eine Ökobilanzierung über die Umweltwirkungen von Abwasserrohrleitungen aus (Stahl-)Beton, die das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) im Auftrag des Bundesfachverbandes Betonkanalsysteme (FBS) erstellt hat. Die Ökobilanzierung fungiere gleichzeitig als Verbands-Umweltproduktdeklaration (EPD-Environmental Product Declaration), teilte Fraunhofer Umsicht Ende September mit.

In der vergleichenden Ökobilanzierung ermittelten die Forschenden von Fraunhofer Umsicht nach eigenen Angaben den Carbon Footprint von Abwasserrohren aus (Stahl-)Beton und den vier Kunststoffarten GFK, PVC, PE, PP über alle verfügbaren Durchmessergrößen. Für den Werkstoffvergleich seien für einen definierten Durchmesser kommerzielle und öffentlich einsehbare Umweltdaten verschiedener Materialien verwendet und auf eine Lebensdauer von 100 Jahren bezogen worden.

Bei der Ökobilanzierung berücksichtigten die Forschenden laut Fraunhofer Umsicht den Energie- und Ressourcenverbrauch für die Herstellungs-, Errichtungs- und Nutzungsphase einschließlich des Recyclings von Abwasserkanalrohren. Die Datengrundlage für Beton- und Stahlbetonrohre seien durch Fraunhofer Umsicht als neutrale Institution von den Verbandsmitgliedern des Bundesfachverbandes Betonkanalsysteme erhoben worden. Weitere Hintergrunddaten stammten aus der „LCA for Experts“-Datenbank und beziehen sich auf Produktionsmengen aus dem Jahr 2021.

Carbon Footprint von Betonrohren vorteilhafter

Betonrohre zeigen der Ökobilanz zufolge auch Vorteile im Carbon Footprint gegenüber Stahlbetonrohren auf, wobei allerdings keine Unterschiede in der Lebensdauer beider Materialien berücksichtigt worden seien. Werde zudem die Entsorgung der Rohre mit einbezogen, zeigten Beton- und Stahlbetonrohre klare Vorteile gegenüber den Kunststoffrohren. „Dies liegt daran, dass Kunststoffrohre vermutlich nur thermisch verwertet – also verbrannt werden – können“, erklärte Daniel Maga von der Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation bei Fraunhofer Umsicht. Betonrohre könnten teilweise für die Herstellung neuer Betonfertigteile genutzt sowie als gebrochenes Material, beispielsweise im Straßenbau, weiterverwendet werden. Nach der Weiterverwendung des Betons finde eine Karbonatisierung von Beton statt, so dass zusätzlich CO2 gebunden werde. Dieser Effekt sei allerdings aufgrund der Unsicherheit der Daten nicht berücksichtigt worden.

Die Umweltproduktdeklaration, die über die Ökobaudat-Datenbank öffentlich zugänglich ist, durchlief den Angaben zufolge eine externe Prüfung durch das Institut zur Prüfung und Zertifizierung von Bauprodukten, Sicherheitstechnik und Schutzausrüstung (ift) in Rosenheim.

- Anzeige -

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -