IGB: Weißes Seeeis ist instabiler und wird in Zukunft wahrscheinlich häufiger auftreten

Eis-Qualität bedeutend für die Ökologie eines Sees

Die Qualität des Seeeises ist von größter Bedeutung für die Eissicherheit und die Ökologie eines Sees unter Eis, aber ihre zeitliche und räumliche Variabilität ist weitgehend unbekannt. Wie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) weiter berichtet, hat ein internationales Forschungsteam mit IGB-Forscher Hans-Peter Grossart 2020/2021 in einem der wärmsten Winter seit 1880 in der gesamten nördlichen Hemisphäre eine koordinierte Probenahmekampagne zur Qualität des Seeeises durchgeführt. Das Team unter Leitung der schwedischen Universität Uppsala konnte zeigen, dass das Seeeis in diesem Zeitraum vor allem aus instabilem weißem Eis bestand. Es machte zeitweise bis zu 100 Prozent der Gesamteisdicke aus.

Eis auf Seen kann verschiedene Qualitäten haben, den Unterschied erkennt man schon an der Farbe: Es gibt weißes und schwarzes Eis. Im Vergleich zu schwarzem Eis ist weißes Eis instabiler und hat eine geringere Tragfähigkeit, was die Nutzung des Eises für den Transport, die Freizeitgestaltung oder andere Zwecke riskant macht. Auch sei bekannt, dass weißes Eis die Menge des Sonnenlichts, die durch das Eis dringt, erheblich verringert. Damit seien Wachstum und Vermehrung aller Organismen, die Photosynthese betreiben, gefährdet, und das gesamte Nahrungsnetz könne gestört werden.

„In der IceBlitz-Probenahmekampagne haben wir 167 Eiskerne in zehn verschiedenen Ländern entnommen. Im Januar wiesen die meisten Seen eine dünne weiße Eisschicht auf, die dann über die gesamte Eisbedeckung hinweg allmählich wuchs. In der Zeit vor dem Abschmelzen des Eises war weißes Eis die vorherrschende Eisart auf den meisten Seen, die wir beprobt hatten“, erläutert Grossart.

Weißes Eis bilde sich in der Regel, wenn sich Schnee auf Eis ansammelt, schmilzt und wieder gefriert. Oder, wenn Regen auf die Schneeschicht fällt und Schneematsch bildet, der anschließend gefrieren und zu weißem Eis werden kann. Ebenso, wenn die Schneelast ausreicht, um Seewasser durch Risse in der Eismatrix an die Eisoberfläche zu drücken. All dies trete vor allem auf, wenn die Lufttemperaturen um den Gefrierpunkt schwanken.

Weißes Eis hat geringere Tragfähigkeit

„Bei fortgesetzter globaler Erwärmung wird das Auftreten von weißem Eis in der kritischen Periode vor der Schmelze wahrscheinlich erheblich zunehmen. In der Schule lernen wir, dass es in Ordnung ist, auf Eis zu gehen, wenn die Eisdicke zehn cm oder mehr beträgt. Wir schätzten, dass zehn cm Eis unter Glatteisbedingungen eine Belastung von 1.753 kg zulassen, während sie unter Weißeisbedingungen nur mit bis zu 175 kg belastbar sind. Die Unterschiede in der Eisstabilität sind also sehr groß. Da die Tragfähigkeit von weißem Eis so gering ist, kann eine Zunahme des Anteils von weißem Eis die Nutzung von saisonal eisbedeckten Seen für den Lebensunterhalt, die Freizeitgestaltung, den Verkehr und andere Zwecke gefährden“, so die Erstautorin der Studie von der Universität Uppsala, Prof. Gesa Weyhenmeyer....

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