Im Nürnberger Klärwerk 1 soll Abwärme aus dem gereinigten Abwasser künftig als Heizwärme genutzt werden. Entsprechende Planungen für eine Großwärmepumpe schreiten voran, teilte die Stadt Nürnberg mit. Die Großwärmepumpe soll bis voraussichtlich Mitte 2028 auf dem Gelände des Klärwerks errichtet werden und dem Klarwasser dann vor der Einleitung in die Pegnitz die Wärmeenergie entziehen, damit diese aufbereitet in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann.
Es handle sich um gemeinsames Projekt der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) und des regionalen Energieversorgers N-Ergie. Aktuell arbeite die N-Ergie an der Entwurfsplanung für die Großwärmepumpe sowie für die Anbindung an das Fernwärmenetz und bereite die Ausschreibung vor. Der Bau der Anlage soll 2026 starten.
„Fernwärme und Wärmepumpen sind wichtige Technologien, um umweltfreundlich zu heizen“, erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. „Wir haben hier im Klärwerk die einmalige Situation, beide Heizarten bestmöglich miteinander zu kombinieren.“
Der Klärwerksstandort biete optimale Voraussetzungen für den Einsatz der Großwärmepumpe, sagte N-Ergie-Vorstandssprecher Maik Render. „Abwasser ist eine besonders zuverlässige Wärmequelle, da es eine konstante Temperatur hat und ganzjährig verfügbar ist. Außerdem ist unser Heizwerk Muggenhof gleich um die Ecke, was die Anbindung an das Fernwärmenetz erleichtert.“
Großwärmepumpe soll thermische Leistung von 15 bis 20 MW haben
Die geplante Großwärmepumpe hat nach aktueller Entwurfsplanung eine thermische Leistung von 15 bis 20 Megawatt (MW) bei einem Stromeinsatz von rund sieben MW, hieß es weiter. Hiermit ließen sich pro Jahr bis zu 150 Gigawattstunden Wärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Die Großwärmepumpe könne künftig – abhängig von Betriebsstunden und Wärmenachfrage – durchschnittlich rund 5.000 Haushalte mit Wärme versorgen.
Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit sowie erste Werkleiterin von SUN, wies darauf hin, dass das Klärwerk einer der größten Energieverbraucher der Stadt ist. „Indem wir überschüssige Wärme nutzen, setzen wir einen zentralen Baustein, um unserem Ziel der klimaneutralen Stadt und Stadtentwässerung einen wesentlichen Schritt näher zu kommen.“
Wie die Stadt weiter mitteilte, baut die N-Ergie im Zuge des Projekts in unmittelbarer Nähe zur Pegnitz ein rund 22 Meter langes, 21 Meter breites und rund 13 Meter hohes Anlagengebäude für die Großwärmepumpe. Zudem würden auf einer Länge von rund einem Kilometer Fernwärme- und Stromleitungen vom Klärwerk bis zum Heizwerk Muggenhof verlegt.
SUN hat 2024 rund 71 Mio. m³ Abwasser behandelt
Den Angaben zufolge behandelte die SUN im Jahr 2024 rund 71 Mio. Kubikmeter Abwasser. Das geklärte Abwasser habe eine Temperatur von 13 bis 20 Grad Celsius und sei damit ausreichend warm, um als Quelle für die hocheffizient betriebene Wärmepumpe zu dienen.
Die Großwärmepumpe funktioniere nach dem gleichen Prinzip wie eine haushaltsübliche Wärmepumpe, nur im großen Maßstab, erläuterte die Stadt. Sie nehme die im Abwasser vorhandene Wärme über einen Wärmetauscher auf und übertrage sie auf ein Kältemittel, das in einem Kreisprozess immer wieder verdampft, verdichtet, verflüssigt und entspannt wird. So könne die Wärmeenergie aus dem Abwasser gewonnen, für Heizzwecke nutzbar gemacht und in das Fernwärmenetz abgegeben werden.
Vorfluter erwärmt sich weniger
Das Wasser selbst kühlt sich durch den Entzug der Energie ab und wird dem Klarwasserstrom vor der Einleitung in die Pegnitz wieder zugemischt, hieß es weiter. Dadurch erwärme sich die Pegnitz insbesondere im Sommer weniger, wodurch sich die Qualität des Gewässers verbessere. Aktuell fließe das gereinigte Abwasser direkt in die Pegnitz.




