In Deutschland wurden im Jahr 2022 mit 74,1 Mio. Personen 88,6 Prozent der Bevölkerung mit Trinkwasser in Wasserversorgungsgebieten (WVG) versorgt, in denen jeweils mehr als 1.000 m3 Trinkwasser pro Tag verteilt oder mehr als 5.000 Personen versorgt werden. Diese Personen sind in 2.507 Wasserversorgungsgebieten mit 4,443 Mrd. m3 Trinkwasser versorgt worden. Das geht aus dem „Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland (2020-2022)“ hervor, den das Umweltbundesamt (UBA) und das Gesundheitsministerium (BMG) im Februar vorgelegt haben.
Das Rohwasser für diese Trinkwassergewinnungen komme zu 67,6 Prozent aus Grundwasser, zu 15,9 Prozent aus Oberflächenwasser und zu 16,5 Prozent aus sonstigen Ressourcen wie Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser. Das Trinkwasser in diesen Wasserversorgungsgebieten ist dem Bericht zufolge von sehr guter Qualität: Bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern erfüllten über 99 Prozent der untersuchten Proben die Anforderungen der Trinkwasserverordnung, d. h., die Grenzwerte wurden eingehalten.
Unter den Indikatorparametern komme es bei den coliformen Bakterien und bei der Calcitlösekapazität zu Grenzwertüberschreitungen in bis zu 1,2 Prozent bzw. 2,9 Prozent der jeweiligen Untersuchungen im Berichtszeitraum. Für 2020 seien in zwei WVG fünf Überschreitungen des Parameterwertes für Radon gemeldet worden, die aber wegen der verhältnismäßig geringen Anzahl von 156 Untersuchungen jedoch 3,2 Prozent aller Fälle ausmachten.
PSM-Wirkstoffe und Metaboliten fast alle unter dem Grenzwert
Im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Biozidprodukt-Wirkstoffe heißt es in dem Bericht, die im Berichtszeitraum gemessenen Konzentrationen nahezu sämtlicher untersuchter und gemeldeter Wirkstoffe und deren Metaboliten lägen unter dem Grenzwert von 0,000 10 mg/l. Die Grenzwertüberschreitungen beschränkten sich auf 14 Wirkstoffe oder deren Metaboliten, darunter Bentazon, Bromacil, Chloridazondesphenyl, und Desethylatrazin, von 349 im Berichtszeitraum untersuchten Wirkstoffen oder deren Metaboliten. Gegenüber dem vorangegangenen Berichtszeitraum mit nur vier Wirkstoffen oder deren Metaboliten, bei denen im Trinkwasser der Grenzwert überhaupt überschritten wurde, habe deren Anzahl im Berichtszeitraum 2020-2022 deutlich zugenommen.
In den Berichtsjahren 2020 bis 2022 werde der Grenzwert für coliforme Bakterien in 99,13 Prozent, 98,79 Prozent bzw. 98,92 Prozent der Untersuchungen eingehalten. Die Überschreitung der Grenzwerte in 0,87 Prozent, 1,21 Prozent bzw. 1,08 Prozent der Untersuchungen und Anstiege der Trübung in 0,33 Prozent, 0,32 Prozent bzw. 0,32 Prozent der Untersuchungen zeigten, dass diese beiden Parameter häufig verknüpft sind.
In vielen Fällen handle es sich um sporadische Nichteinhaltungen, die in weiterer Untersuchung nicht bestätigt würden. Der Nachweis coliformer Bakterien im Trinkwasser ist nicht immer als direkte Gefährdung zu sehen, sollte aber dennoch ernst genommen werden und bedarf der schnellen Aufklärung der Ursachen, heißt es in dem Bericht. Oft zeigt er eine allgemeine Verschlechterung der Wasserqualität an und daraus resultiert die Notwendigkeit, weitere vorbeugende Untersuchungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit einzuleiten.
Nitrat-Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser eine seltene Ausnahme
Wie schon in den Vorjahren bleiben beim Parameter Nitrat Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser – bei 0,01 Prozent bis 0,04 Prozent der Untersuchungen – laut Bericht eine seltene Ausnahme. Allerdings erlaube dies weder einen unmittelbaren Rückschluss auf den Nitratgehalt der Rohwässer, noch stellten die Befunde einen Widerspruch dar zu dem beobachteten und in den Medien berichteten Anstieg der Nitratkonzentration in Grundwässern durch Einträge aus Landwirtschaft und Biomasseproduktion. Die bisherigen Erfolge bei der Einhaltung des Nitratgrenzwertes im Trinkwasser liegen nicht zuletzt in wirksamen Maßnahmen zur Nitratminderung in den großen berichtspflichtigen Wasserversorgungen begründet.
Grenzwertüberschreitungen bei den Parametern Blei, Nickel, Cadmium bleiben dem Bericht zufolge mehr oder weniger die Ausnahme. Bei Blei seien sie ein Indiz für noch vorhandene Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation oder für Armaturen, die nicht die Regeln der Technik erfüllen. Deren Nichtbeachten stelle meist auch die Ursache für die Nichteinhaltung der Parameterwerte für Nickel und Cadmium dar, wobei Überschreitungen des Cadmium-Grenzwertes im Trinkwasser sehr selten und nur in Trinkwasserinstallationen auftreten. Eine Ursache sei der Einbau von ungeeigneten Armaturen, häufig durch die Nutzerinnen und Nutzer selbst und ohne Hinzuziehen eines Installateurfachbetriebes, der die Eignung insbesondere auch im Hinblick auf die korrosionschemischen Eigenschaften des jeweiligen Wassers beurteilen kann.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei erhöhten Eisen- oder Mangankonzentrationen im Trinkwasser sind in Deutschland – anders als in anderen europäischen Regionen - nicht bekannt. Höhere Konzentrationen beider Metalle im Trinkwasser führten aber zu Geschmacksbeeinträchtigungen, Färbungen und Ablagerungen; zu viel Eisen im Wasser könne Rostflecken beim Waschen von Wäsche verursachen
Das UBA weist darauf hin, dass der Bericht auf den Meldungen der Länder an das BMG und das Umweltbundesamt über den Zeitraum von 2020 bis 2022 beruht.




