Die hydrothermale Karbonisierung (HTC) von Klärschlamm hat sich im Kläranlagenbetrieb bewährt. Das betont die Terranova Energy GmbH, die Anlagen zur Behandlung von organischem Abfall und Schlämmen mit HTC und Thermodruck-Hydrolyse plant und baut. Nach eineinhalb Jahren Dauerbetrieb auf der Kläranlage Pau-Lescar in Frankreich lägen nun Ergebnisse vor, die die bisher kontrovers diskutierte Vorteilhaftigkeit der HTC von Klärschlamm belegten, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit.
In dem vom französischen Konzern Suez umgesetzten Projekt wird Klärschlamm zunächst zur Erzeugung von Biomethan in einem anaeroben Faulprozess behandelt. Der Faulschlamm wird anschließend entwässert und im sogenannten „Ultra“-HTC-Verfahren zu einer wasserarmen HTC-Kohle verwertet, die zur Energieerzeugung ortsnah verbrannt wird. Dem im „Ultra“-Verfahren abgetrennten Prozesswasser wird der Stickstoff als Düngemittel entzogen und dem Faulprozess zur zusätzlichen Biomethanerzeugung zugegeben.
Der niedrige Energieverbrauch des HTC-Prozesses im Vergleich zu konventionellen Klärschlamm-Trocknungsverfahren sei schon seit langem bekannt und anerkannt, erklärte Terranova. Nun konnten auch die Auswirkungen der Integration auf einer Kläranlage mit Schlammfaulung untersucht werden. Im Fokus stand dabei insbesondere, welche Langzeiteffekte die Behandlung des HTC-Prozesswassers auf die Schlammfaulung und die Reinigungsleistung der Kläranlage hat.
Bei der Schlammfaulung konnte durch die Integration der HTC-Anlage etwa 20 Prozent mehr Biomethan generiert werden, berichtete Terranova. Das liege einerseits an dem zusätzlich zugeführten, leicht abbaubaren Kohlenstoff im HTC-Prozesswasser. Andererseits konnte die Effektivität der Schlammfaulung wesentlich verbessert werden. Damit könne das „Ultra“-Verfahren nach Angaben von Suez sogar ganz ohne Wärmekosten betrieben werden.
Die Reinigungsleistung der Kläranlage in Pau-Lescar, die für 190.000 Einwohner ausgelegt ist, wurde allerdings beim Parameter CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) moderat um 3,15 mg/l verschlechtert, erklärte Terranova. Üblicherweise lägen die CSB-Grenzwerte für gereinigtes Abwasser in Europa zwischen 50 und 125 mg/l.
Bereits im Jahr 2014 wurde das „Ultra“-Verfahren in Kooperation zwischen Suez und Terranova im slowenischen Maribor erprobt. Damals wurde die energieeffiziente mechanische Entwässerung des karbonisierten Klärschlamms auf 65 Prozent Trockensubstanz nachgewiesen. 2016 wurde das Verfahren erstmals kommerziell im chinesischen Jining installiert.




