
Die Gehalte an anthropogenem Gadolinium im Berliner Leitungswasser sind zwischen 2009 und 2021 im Durchschnitt um das 30-fache angestiegen. Das geht aus einer Studie über die Auswirkungen von COVID-19 und Klimawandel auf Abwasserstoffe im städtischen Trinkwasser von Berlin hervor, die ein Forschungsteam der privaten Constructor University aus Bremen präsentiert hat. Mittlerweile sei auch das Trinkwasser in den östlichen Stadtteilen damit verunreinigt. In vielen Berliner Bezirken stamme mittlerweile nahezu alles Gadolinium im Leitungswasser aus MRT-Kontrastmitteln.
Nach einem sehr starken und kontinuierlichen Anstieg habe das Leitungswasser jedoch schnell auf die geringere Anzahl von MRT-Untersuchungen während der COVID-19 Pandemie reagiert.
Gadolinium als Indikator für Abwasserstoffe im Trinkwasser
Diese Ergebnisse zeigen nach Angaben der Forschenden, dass Gadolinium ein sehr empfindlicher und robuster Indikator für das Vorhandensein von Abwasserstoffen im Trinkwasser ist. Solche Xenobiotika würden in Großstädten wie Berlin, in denen der Klimawandel zu einem Rückgang der Grundwasserressourcen führt, zunehmend zu einer Herausforderung. Maßnahmen gegen diesen Grundwasserschwund, wie die künstliche Anreicherung des Grundwassers mit Oberflächenwasser, werden unweigerlich zu einem weiteren Anstieg von Abwasserstoffen im Trinkwasser führen. Es ist daher dringend notwendig, diese sogenannten abwasserbürtigen Stoffe im Trinkwasser, insbesondere in Berlin, zu überwachen, was mit Hilfe des anthropogenen Gadoliniums als Indikator verlässlich und kostengünstig durchgeführt werden kann.
Hohe Konzentration der Seltenen Erde Gadolinium aus Kontrastmitteln
Die Forscherinnen und Forscher bestimmten den Angaben zufolge mit einem speziell angepassten Analyseverfahren die Konzentrationen der Seltenen Erden im Berliner Leitungswasser und konnten auffällig hohe Konzentrationen von Gadolinium feststellen, einem Element der Seltenen Erden, das in Kontrastmitteln verwendet wird. Die Patientinnen und Patienten bekommen vor einer MRT-Untersuchung solch ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel gespritzt, das dann später wieder auf natürliche Weise vom Körper ausgeschieden wird und so ins Abwasser gelangt, heißt es seitens der Universität.
Derzeit beobachtete Gadolinium-Konzentrationen für Menschen nicht gefährlich
Da dieses anthropogene Gadolinium in Kläranlagen nicht entfernt werde, gelange es dann in Flüsse und Seen und schließlich ins Grund- und Trinkwasser. Die derzeit beobachteten Gadolinium-Konzentrationen seien für den Menschen nicht gefährlich, können aber auf das mögliche Vorhandensein von anderen, deutlich giftigeren Stoffen aus dem Abwasser im Trinkwasser hindeuten.
Die Studie „Impacts of COVID-19 and climate change on wastewater-derived substances in urban drinking water: Evidence from gadolinium-based contrast agents in tap water from Berlin, Germany“ wurde in der Fachzeitschrift Water Research veröffentlicht.


