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Kleine Fließgewässer in der Schweiz stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet

Kleine Fliessgewässer in der Schweiz
Bildquelle: Pixelio/Alwin Gasser
06.04.2017 − 

In der Schweiz sind kleine Fließgewässer mit einer Vielzahl von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet. Eine im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) erstellte Studie zu fünf Schweizer Bächen zeigt, dass in keinem Fall die gesetzlichen Anforderungen an die Wasserqualität eingehalten werden, teilte das BAFU am vergangenen Dienstag in Dübendorf mit. Selbst Stoffkonzentrationen, die für Gewässerorganismen als akut toxisch gelten, seien überschritten worden. Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität würden zurzeit im nationalen „Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ erarbeitet.

45.000 Kilometer, drei Viertel des Schweizer Gewässernetzes, gelten laut BAFU als kleine Bäche und Bächlein. Bisher gebe es jedoch keine Messstellen, die dort die Wasserqualität über längere Zeiträume überwachen. Die Aussagekraft von Stichproben sei begrenzt. Im Auftrag des BAFU hätten daher die Eawag und das Ökotoxzentrum Eawag-EPFL zusammen mit fünf Kantonen und dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) fünf Fließgewässer genauer untersucht. Ihre Einzugsgebiete seien typisch für eine starke landwirtschaftliche Nutzung. Von März bis August 2015 seien ca. 1.800 Wasserproben gesammelt worden.

Der Verdacht, dass die kleinen Gewässer stark mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) belastet sind, habe sich erhärtet. Die Zahl der Stoffe ist laut BAFU sehr hoch: 128 verschiedene Wirkstoffe aus Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau haben die Forschenden in den Proben nachgewiesen, dazu kamen noch 61 Herbizide, 45 Fungizide und 22 Insektizide. In 80 Prozent der Proben sei die Anforderung der Gewässerschutzverordnung (≤0.1 µg/L) von mindestens einem Stoff nicht eingehalten worden. Von einzelnen Substanzen seien Konzentrationen bis 40 µg/L festgestellt worden.

Für Stephan Müller, Leiter der Abteilung Wasser des BAFU, bestätigen die Ergebnisse, dass PSM aus der Landwirtschaft – neben den Mikroverunreinigungen, die durch Kläranlagen ins Gewässer gelangen – die aktuell bedeutendsten stofflichen Verunreinigungen der Schweizer Oberflächengewässer sind. Dies gelte vor allem in den kleinen Bächen; sie sind von speziellem Interesse, da sie Rückzugsort und „Kinderzimmer“ für Wasserlebewesen seien, insbesondere für Fische.

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