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„Aktiver Infektionsschutz gehört in der Wasserwirtschaft zum Alltag“

„Aktiver Infektionsschutz gehört in der Wasserwirtschaft zum Alltag“
Ingbert Liebing (©VKU/Chaperon)
04.08.2020 − 

EUWID hat mit dem Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, ein Interview zum Thema „Bewältigung der Corona-Pandemie in der kommunalen Wasserver- und Abwasserentsorgung“ geführt.

Herr Liebing, welches Zwischenfazit zur Corona-Pandemie ziehen Sie für die kommunale Wasser- und Abwasserwirtschaft?

Wir haben einen sehr guten Job gemacht und diese coronabedingte Ausnahmesituation schnell in den Griff bekommen. Diese Zwischenbilanz lässt sich an dieser Stelle ziehen. Dabei hat uns sicherlich auch geholfen, dass die Wasserwirtschaft als Anbieter kritischer Infrastrukturen auf Krisensituationen besonders vorbereitet ist. Vielleicht könnte man es sogar buchstäblich einen Routine-Vorteil nennen, denn aktiver Infektionsschutz gehört in der Wasserwirtschaft zum Alltag, um auch schon die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor potenziellen Krankheitserregern zu schützen. Gleichwohl ist die Wasserwirtschaft natürlich von der Corona-Pandemie und ihrer Wucht getroffen worden.

Reichen die im schwarz-roten Konjunkturpaket beschlossenen Hilfen und Erleichterungen aus, um kommunale Daseinsvorsorgeleistungen speziell im Wasser- und Abwasserbereich weiterhin auf hohem Niveau anzubieten?

Ich möchte die Frage nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten, weil wir das derzeit einfach nicht seriös einschätzen können. Fakt ist: Wir müssen über die Pandemie hinausdenken. Ein Beispiel: Zu den aktuellen und künftigen Herausforderungen der Wasserwirtschaft zählt der Umgang mit dem klimatischen und demografischen Wandel. Während wir im Klimaschutz schon viele Gesetze und Regulierungen haben, fehlt es an Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Dabei müssen Klimaschutz und Klimaanpassung zusammengedacht und endlich gemeinsam angegangen werden. Bund und Länder sollten alle Kommunen dabei unterstützen, Klimaanpassungskonzepte zu erarbeiten und gemeinschaftlich vor Ort umzusetzen. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung bietet eine einmalige Gelegenheit, den notwendigen Schub zu leisten. Hierfür würde sich das vom Umweltbundesamt vorgeschlagene Sonderprogramm Klimavorsorge bestens eignen.

Inwiefern könnte das Konjunkturpaket Ihrer Meinung nach auch dazu beitragen, den vielerorts vorherrschenden Sanierungsstau insbesondere in der Kanalinfrastruktur aufzulösen?

Sicherlich ist es so, dass es mancherorts Nachholbedarf gibt und solche Gelder auch für Sanierungsmaßnahmen sinnvoll eingesetzt werden können. Keine Leitung hält ewig. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen für eine grundlegende Sanierung oder Erneuerung. Der richtige Zeitpunkt hängt dabei von vielen Faktoren ab. Die technisch und wirtschaftlich sinnvolle Netzerneuerungsrate muss jedes Unternehmen unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten – Rohrnetzmaterial, Netzalter, Schadensraten oder Leckagen – ermitteln. Entscheidend ist immer die tatsächliche Situation vor Ort: Kanäle sind kein Massenprodukt von der Stange, sondern ein individueller Maßanzug, der angepasst an die örtlichen Rahmenbedingungen vor Ort angefertigt wurde und per se für Jahrzehnte ausgelegt ist.

Das vollständige Interview finden Sie in Ausgabe 32.2020 von EUWID Wasser und Abwasser, die heute als E-Paper und Printmedium erschienen ist. Die Fachzeitung informiert Leser mit knappem Zeitbudget kompakt über die relevanten Entwicklungen in der Wasser- und Abwasserbranche.

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