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TUM-Forscher plädieren für Erhalt von Flussauen zum Hochwasser- und Artenschutz

TUM-Forscher plädieren für Erhalt von Flussauen zum Hochwasser- und Artenschutz
Bildquelle: Fotolia
04.10.2017 − 

Der Erhalt von Flussauen ist Hochwasser- und Artenschutz. Flüsse brauchen mehr Raum, Vielfalt und Freiheit, um im Gewässergrund lebende Arten vor der Verschlammung zu bewahren und Menschen vor Hochwasser zu schützen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM). Nicht allein die intensive Landwirtschaft und die Erosion vernichte Lebensräume in Flüssen, unterstreicht die Hochschule.

Im Mittelpunkt der Studie stand der Isar-Zufluss Moosach, der zwischen der Münchner Schotterebene und tertiärem Hügelland weitgehend in einem künstlichen Bett fließt. Alle paar Jahre muss der Fluss ausgebaggert werden, um mehrere tausend Kubikmeter Schlamm zu entfernen. Das Tertiärhügelland zählt zu den Gebieten mit den höchsten Erosionsraten.

Weniger als ein Prozent des Erosionsmaterials bleibe am Grund des Flusses liegen, erklärte die TUM. Durch Verminderung der Erosion lasse sich das Problem daher nicht lösen. Dieses Ergebnis lieferte die Analyse von Gewässerboden-Proben über mehrere Jahre hinweg von Professor Karl Auerswald vom Lehrstuhl für Grünlandlehre und Professor Jürgen Geist vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie.

Über viele Jahrzehnte befestigt und gestaut, begradigt und vertieft, fehle den Flüssen vor allem ihre natürliche Fließgeschwindigkeit. Ebenso fehle die Auenlandschaft am Ufer, um – auch bei Hochwasser – das Flussbett verändern zu können. Die Moosach sei ein Gerinne und kein Fluss mehr, kritisierte Auerswald. Dies sei auf alle Flüsse in Bayern und weltweit übertragbar.

Die beiden Wissenschaftler der TUM haben die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der internationalen Fachzeitschrift „Land Degradation & Development“ veröffentlicht. Der Titel „Extent and causes of siltation in a headwater stream bed: catchment soil erosion is less important than internal stream processes“ weise darauf hin, wie bedeutsam die Durchströmung für den Boden eines Gewässers sei. Denn das zentrale Refugium von Klein- und Kleinstlebewesen sowie der Eiablage- Ort für diverse Flussfische sei am Gewässerboden, und zwar in den mit sauerstoffhaltigem Wasser gefüllten Hohlräumen im Kies, betonen die Forscher. Bereits eine dünne Sedimentschicht reiche aus, diese Zwischenräume abzudichten.

„Eintrag von Erosionsmaterial passiert auch unter natürlichen Bedingungen“, erklärte Auerswald. „Aber unter natürlichen Bedingungen wird der Gewässerboden immer wieder umgelagert und das Lückensystem durch den Grundwasserzustrom aus der überfluteten Aue freigespült.“ Weil Flüsse begradigt und kanalisiert wurden, verschwinde diese Auendynamik. Ebenso sei der natürliche Zustrom von unten nach Hochwasserereignissen stark zurückgegangen. So fehle den Flüssen an Ufer und Grund die Möglichkeit der Veränderung. Doch gerade diese Unterschiede seien entscheidend für die Biodiversität eines Gewässers und für seinen Artenreichtum.

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