Kläranlagen gehen Chemikalien zur Wasserreinigung aus

Umweltministerium Niedersachsen warnt vor Störungen des Betriebs

In Kläranlagen werden bundesweit Chemikalien zur Reinigung des Abwassers knapp - was für Flüsse zum Problem werden könnte. Dies sei eine bundesweite Herausforderung, teilte das niedersächsische Umweltministerium am Freitag mit. Aus diesem Grund seien die Bundesländer untereinander im engen Austausch, gemeinsam mit dem Bund werde nach Lösungen gesucht. Niedersachsen hat derzeit den Vorsitz der Umweltministerkonferenz (UMK).

Die Fällmittel, also Eisen- oder Aluminiumsalze, binden normalerweise bei der chemischen Wasserreinigung im Abwasser gelöste Phosphate und verhindern damit, dass diese in hoher Konzentrationen in Flüsse gelangen. Immer mehr Kläranlagen hätten allerdings mit Lieferschwierigkeiten für Fällmittel zu kämpfen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ganz ohne Fällmittel seien kommunale Kläranlagen gezwungen, Abwässer mit hohem Phosphatgehalt in die Flüsse einzuleiten.

Verschärfe sich der Fällmittelnotstand, sei nicht auszuschließen, dass es zu Störungen des Betriebs der Kläranlagen komme, warnte das Ministerium. Sollte sich die Lage absehbar nicht entspannen, erhielten die Wasserbehörden per Erlass die Möglichkeit, die Phosphat-Grenzwerte zu überschreiten - für die Zeit der Ausnahmesituation. Entsprechende „Hinweise und Regelungen“ seien an die Wasserbehörden gesandt worden, zeitlich befristet bis zum 31. Oktober. Andere Bundesländer dürften folgen, schrieb der „Spiegel“.

Verknappung von Salzsäure

Grund für die Lieferschwierigkeiten sei eine Verknappung von Salzsäure, vor allem wegen der hohen Energiepreise. Salzsäure ist ein Grundprodukt für die Herstellung von Fällmitteln. Es müsse alles getan werden, um die Auswirkungen auf die Flüsse so gering wie möglich zu halten, machte die Sprecherin klar. Die Kläranlagenbetreiber sollten bei Lieferausfällen prüfen, ob der Betrieb etwa auf alternative Fällmittel umgestellt oder der Fällmitteleinsatz gesenkt werden könne, um die Zeit bis zur nächsten Lieferung zu überbrücken.

VCI: Branche zur Drosselung
der Produktion gezwungen

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erklärte, wie dramatisch die Versorgungslage bei Salzsäure ist, lasse sich wegen fehlender Produktionsdaten zu Einzelstoffen nicht einschätzen. Grundsätzlich sei die Branche wegen der extrem hohen Gas- und Strompreise gezwungen, ihre Produktion kräftig zu drosseln. Wenn einzelne Grundstoffe nur noch eingeschränkt hergestellt würden, habe das weitreichende Folgen für nachgelagerte Wertschöpfungsstufen. (dpa)...

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